209 Haus für einen Statiker

209 Haus für einen Statiker

Natürlich wurde es ein Betonhaus. Anfangs dachten wir noch an einen leicht wirkenden auskragenden Holzbauteil, der schwebend die Terrasse überdeckt. Aber wenn man es gewohnt ist, in Beton zu denken, wie unser Auftraggeber, dann fällt es schwer das eigene Haus mit dem weichen, alternden Material Holz in Verbindung zu bringen.

Man kommt auf das Grundstück über die lange Fahnenzufahrt und steht vor einem dreigeschoßigen Gebäude. Nichts ist vom Garten zu sehen, der sich ein Geschoß höher befindet. Deshalb betritt man das Haus nordseitig im Keller und wundert sich über das fehlende Kellergefühl. Helle Räume, sogar Sonne in der Diele, und die Aussicht nach oben ins Licht lassen vergessen, dass hier Gästezimmer, Bad, Hobbyraum und Technik untergebracht sind. Sogar ein gedeckter Seiteneingang zum Carport und der dahinter gelegenen Doppelgarage ist vorhanden. Leicht vorstellbar, dass man im Untergeschoß gut eine kleine Wohneinheit einrichten könnte.

Wer ganz neugierig auf den Garten ist, nimmt den direkten Weg vom asphaltierten Vorplatz über die Außentreppe zwischen Haus und Garage nach oben. Am Ende der Treppe öffnet sich der große Garten mit Pool, Grillplatz, Gemüsebeet und vielen Kinderspielsachen in der Wiese. Von hier aus sieht man lediglich ein eingeschoßiges Haus mit einem zentralen auskragenden Aufsatz, der zwei Schlafzimmer, Bad, WC, Galerie und jeweils eine Dachterrasse ost- und westseitig beherbergt.

Die Treppe ins Licht wiederholt sich noch einmal vom Erdgeschoß in das Obergeschoß und weckt Assoziationen zu einer Schiffstreppe mit Stahlgeländer und schwarzen Netzen als Fallschutz für den Junior. Der Wohnbereich ist nach Norden abgeschlossen, öffnet sich aber ansonsten nach allen Seiten mit großen Fensterflächen sowie zwei Schiebetüren auf die Terrasse. Das Klavier hat einen eigenen Platz im Stiegenbereich hinter der Treppe.

Die Kompaktheit ist natürlich nicht so perfekt, aber wir haben uns immer dagegen gewehrt, die Architektur dem Diktat der Energieeffizienz unterzuordnen. Aber immerhin ist das Gebäude nach Norden weitgehend geschlossen und zu einem großen Teil im Erdreich eingegraben. Die Energiekennzahl nach OIB wäre mit 16kWh/m² sogar recht gut, wenn der Auftraggeber sich für eine Komfortlüftung erwärmen hätte können.

So ist es technisch ein Niedrigenergiehaus geworden, das mit einer Luft/Wasser-Wärmepumpe und Fußbodenheizung mit wohliger Strahlungswärme versorgt wird. Im Wohnraum soll es zusätzlich bald einen attraktiven Kaminofen geben.

Dem Wunsch des Auftraggebers entsprechend wird das Haus in Massivbauweise errichtet. Der spez. Heizenergiebedarf erhöht sich durch die Massivbauweise, weil die solaren Gewinne genutzt werden müssen, die speichernden Massivbauteile zu erwärmen. Selbstverständlich verlängert die Massivbauweise insgesamt die Bauzeit und erfordert eine gewisse Trocknungszeit der Bauteile.

Daten

Wohnnutzfläche 275m²
Nebenräume 86m²
Bauweise: Massivbau
Energiekennzahl ca. 26kWh/m²a nach OIB
Haustechnik: LW-Wärmepumpe, Fußbodenheizung

Entwurf: ATOS Architekten
Ausführende Unternehmen: Fa. Köberl, 8311 Markt Hartmannsdorf

 

 

 

Comments : Off
Über den Author