218 Passivhaus Klosterneuburg

218 Passivhaus Klosterneuburg

Das Grundstück in Klosterneuburg befindet sich im Bauland Kerngebiet. Der Bebauungsplan schreibt Bauklasse I oder II und geschlossene Bebauungsweise mit einer Dichte von 60% vor. Die maximal zulässige Gebäudehöhe beträgt straßenseitig 7m und gartenseitig 8m.

Architekturkonzept
Ausgehend von der Notwendigkeit des gedeckten Autoabstellplatzes auf Straßenniveau entstand ein intimer Patio, der von der Straße aus nicht einsehbar ist. Der Eingangsbereich und die Diele werden durch die 3 x 3m große Öffnung im Dach des Patios nachmittags besonnt. Das Wohnhaus ist so situiert, dass trotz eines geplanten Neubaus auf dem südseitigen Nachbargrund die Besonnung bestmöglich ausgenutzt wird. Gleichzeitig ermöglicht die Anordnung des Hauses den Blick auch in den hinteren Teil des Gartens.

Bereits von der Diele aus eröffnet sich der Blick bis in den Garten. Die große Raumhöhe von etwa 3,8m ermöglicht den Einbau einer Galerie oberhalb des Bades, welche als Schreib- oder Schlafplatz über die nach oben führende Treppe gut erreichbar ist. Das weitgehend durchgehende Oberlichtband im Erdgeschoss ermöglicht einen direkten Blick nach draußen auch von dieser Galerie.
Der Gangbereich im Obergeschoss wird etwas durch die westseitige Balkontüre aber vor allem durch das Oberlicht über der Stiege belichtet bzw. besonnt. Indirekt erhält auch das Elternbad damit direktes Sonnenlicht. Der Elternschlafraum ist nach Osten orientiert. Der Malplatz hat die längste Besonnung und die schönste Aussicht. Die möglichst gleichwertigen Kinderzimmer sind nach Süden orientiert.

Um ein Maximum an Besonnung zu gewährleisten sollte das Geländer der Dachterrasse lichtdurchlässig gestaltet sein. Hierfür bietet sich eine zarte Stahlkonstruktion mit horizontalen Stahlseilen oder vertikalen Rundrohren an.

Die Farbgebung des Hauses erfolgt in einem warmen Gelbton im Obergeschoss und einem Rotton im Erdgeschoss. Die Straßenfassade wird in neutralem grau gehalten und durch das Holz des Schiebetores und des Gartentores akzentuiert. Die Schnittskizzen zeigen, dass sich die Formensprache des Hauses auch innen fortsetzt.

Energiekonzept
Ziel unserer Arbeit ist, das Gebäude energetisch möglichst effizient zu gestalten. Das bedeutet, das Gebäude so kompakt wie möglich zu halten, die Bauteile möglichst luft- und winddicht zu dämmen und die Details möglichst wärmebrückenfrei zu gestalten. Ein Passivhaus zeichnet sich durch höchsten Komfort und Behaglichkeit aus, weil Raumtemperatur und Oberflächentemperatur beinahe identisch sind. Die kontrollierte Be- und Entlüftung sorgt permanent für frische Luft und Abfuhr von Feuchte und CO² bei gleichzeitiger 85%iger Wärmerückgewinnung. Bei richtiger Auslegung der Luftmengen stellt sich im Winter eine ideale relative Luftfeuchtigkeit von 40% ein, die natürlich auch sehr von der Anzahl der Personen abhängt.

Die notwendige Wärmezufuhr erfolgt über das Lüftungssystem, weshalb die gesamte Haustechnik aus einem kompakten Aggregat besteht, das gleichzeitig für Warmwasser, Lüftung und Heizung sorgt. Dieses hocheffiziente System mit Leistungsziffer bis zu 4 (1 Teil Strom + 3 Teile Umweltenergie) basiert auf einem Solewärmetauscher im Erdreich, einem Wärmetauscher, einem Warmwasserboiler sowie der Wärmepumpe und dem Rohrsystem mit vorgeschalteten Filtern und Schalldämmelementen. Das gesamte System wird über einen Raumthermostat gesteuert. Die Luftmenge kann über die Einblasventile reguliert werden. ATOS setzt ausschließlich geräuschärmste und effizienteste Geräte ein.

Aufgrund des zu beheizenden Raumvolumens, des großen Glasanteils und der Auskragung auf der Westseite wird die spezifische Heizlast bei etwa 15W/m²K liegen. Die sich ergebende Gesamtheizlast von etwa 3kW kann auf zwei Wegen bereit gestellt werden.

A) Eine Solewärmepumpe entsprechender Leistung übergibt über einen Wärmetauscher die Wärme an die Frischluftzufuhr sowie an wassergeführte Fussboden- bzw. Wandheizflächen, welche in jedem einzelnen Raum angeordnet werden. Damit ist die Temperatur natürlich in jedem Raum einzeln regelbar. Sehr komfortable aber etwas teurere Lösung.
B) Eine Lüftungswärmepumpe mit einer Heizleistung von etwa 1,5kW wird ergänzt durch einen automatisch angesteuerten Pelletswohnraumofen im Wohnbereich. Dieser wird vom Raumthermostat meist in den frühen Morgenstunden eingeschalten, da um diese Zeit die Raumtemperatur am niedrigsten ist. Preiswerte Lösung mit Behaglichkeitsfaktor Feuer.

Bautechnisches Konzept
Aufgrund der Form des Hauses schlagen wir eine Mischung von Massivbau und Leichtbau vor. Auf einer Frostschürze und einer Wärmedämmung aus XPS wird die Dichtbetonfundamentplatte betoniert. Somit werden die sonst unvermeidlichen Wärmebrücken vermieden. Die Außenwände des Erdgeschosses bestehen aus 25cm Hohlziegelmauerwerk und einem Betonrost zwischen den Balkontüren und der Oberlichte, welcher die erforderliche Steifigkeit bringt. Darauf wird ein 30cm starker EPS-Vollwärmeschutz aufgebracht und verputzt. Die Decke über dem EG sollte als Holzbalkendecke ausgeführt werden, damit der auskragende Teil ausreichend gedämmt werden kann.

Die Außenwände des Obergeschosses werden bis auf die Feuermauer in vorgefertigter Holzriegelbauweise errichtet. Das Flachdach des Wohnhauses wird als vorgefertigte, hochwärmegedämmte Holzbalkenkonstruktion vorgeschlagen, welche mit 40cm Zellulosedämmung ausgeblasen wird. Die Deckung der Flachdächer erfolgt mit werksseitig verschweißter Kautschukfolie, die nur mehr mechanisch befestigt werden muss.
Für die Fenster und Türen empfehlen wir Holz/Alu-Rahmen mit einer Dreifach-Wärmeschutz-verglasung. Die einzelnen Bauteile sind im Detail im Bauteilkatalog beschrieben. Sichtbare Stahlträger und Stahlstützen müssen mit einem Brandschutzanstrich versehen werden.

Bauteilkatalog

AW01 Außenwand Nebengebäude
2cm Kalkzementputz
25cm Betonsteinmauerwerk
2cm Kalkzementputz

AW02 Außenwand Wohnhaus EG
1cm Dünnputz
25cm Hohlziegel
1cm Kleber
30cm EPS-Dämmung
1cm Armierung + Endbeschichtung

AW03 Außenwand Wohnhaus OG
1,5cm Kalkputz
3,5cm Heraklithplatte
1,5cm OSB-Platte
40cm Dämmständer dazw. Zellulose
1,5cm Unterdachplatte
4cm Weichfaserplatte
1cm Armierung + Endbeschichtung

AW04 Außenwand Keller
25cm Betonfertigteilwände
1cm Feuchtigkeitsabdichtung
5cm XPS-Dämmung

IW01 Innenwand
1cm Gipsfaserplatte
7,5cm Holzständerkonstr. dazw. Flachs
1cm Gipsfaserplatte

BE01 Boden Wohnhaus n. unterkellert
2cm Belag
2cm OSB-Platte
5cm Trittschalldämmung
Dampfsperre
30cm Dichtbetonplatte
25cm XPS-Dämmung
25cm Frostschürze

BE02 Boden Keller
30cm Dichtbetonplatte
25cm Rollierung

DE01 Decke Keller
5cm Asphaltbelag im Gefälle
25cm Ortbetondecke
FD01 Flachdach Carport
5cm Kiesschüttung
1cm Kautschukabdichtung
3cm OSB-Platte
24cm Holzbalken im Gefälle

FD02 Flachdach Wohnhaus
5cm Kies
1cm Kautschukfolie
2,5cm Dachschalung
6-10cm Lattung
1,5cm Unterdachplatte
40cm Sparren dazw. Zellulose
1,5cm OSB-Platte
3cm Lattung
1cm Gipsfaserplatte F30

ZD01 Zwischendecke EG
2cm Bodenbelag
2cm OSB-Platte
5cm Trittschalldämmung
2cm OSB-Platte
24cm Holzbalkendecke dazw.
Splitschüttung + Dämmung
2cm OSB-Platte
3cm Lattung
1cm Gipsfaserplatte

DU01 Überstand Obergeschoss
2cm Bodenbelag
2cm OSB-Platte
5cm Trittschalldämmung
2cm OSB-Platte
24cm Holzbalkendecke dazw. Zellulose
2cm OSB-Platte

Fenster/Türen/Verglasung
Rahmen Holz/Alu Uf = max. 0,8W/m2K
Wärmeschutzglas dreifach Ug = 0,5W/m2K

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