224 Passivhaus Bisamberg

224 Passivhaus Bisamberg

Das vorliegende Entwurfskonzept wurde in einem kooperativen Planungsprozess entwickelt. Diese Methode ermöglicht den Auftraggebern die eigenen Bedürfnisse zu bestimmen, unbewusste Wünsche zu konkretisieren und offene Fragen zu klären. In einem offenen Prozess werden alle relevanten Aspekte diskutiert und integriert. Diese ganzheitliche Herangehensweise verbindet Funktionalität, Ästhetik, Ökonomie und Ökologie mit der Persönlichkeit der Auftraggeber zu einer maßgeschneiderten Lösung.

Ausgangsbasis und Ziel

Das Grundstück mit einer Fläche von 500m² befindet sich im Widmungsgebiet Bauland Wohngebiet. Der geltende Bebauungsplan sieht freie Bebauungsweise sowie eine maximale Gebäudehöhe von 6m vor. Es gibt eine vordere Baufluchtlinie in 3m Abstand zur Grundgrenze. Das Grundstück soll möglichst optimal ausgenützt werden, wobei ein Schwimmteich Bedingung ist. Die Geschossflächenzahl von 0,5 bedeutet, dass die Summe aller Bruttogeschossflächen von Hauptgebäuden und Nebengebäuden 250m² nicht überschreiten darf. Mit einer Summe von 247m² wird diese Bedingung erfüllt.

Funktionskonzept

Die beiden Wohngeschosse beinhalten die dauernd benützten Räume in Passivhausqualität. Die thermische Trennung zum Keller bzw. Windfang ist optimal geplant, die Kellertreppe befindet sich im unbeheizten Windfang. Alle wesentlichen Aufenthaltsräume sind nach Süden orientiert. Die Nebenräume befinden sich auf der Nordseite. Ziel des Entwurfs war es auf dem kleinen Grundstück sowohl die Innen- als auch die Außenräume möglichst attraktiv und funktionell zu gestalten. Dies gelingt durch Offenheit der Räume, Doppelnutzung von Flächen und funktionelle Situierung von Türen und Fenstern.

Das gedeckte Carport bildet einen geschützten Eingangsbereich in den Windfang, von dem aus man über die Kellertreppe in den Therapiebereich im Keller gelangt. Hinter dem Windfang befindet sich die ebenerdige Werkstatt mit direktem Ausgang in den Garten. Der Gartenschuppen zur Unterbringung von Müll und Fahrrädern ist so situiert, dass er gegenüber der Strasse einen optimalen Sichtschutz ermöglicht.

Der Balkon im OG ist westseitig etwas über die Seitenfassade geführt, um der großen Verglasung darunter guten Sonnen- und Wetterschutz zu bieten. Alle ost-, west- und südseitigen Glasflächen müssen einen außenliegenden Sonnenschutz erhalten, um im Sommer eine Überhitzung zu vermeiden. Zusätzlich ist es besonders wichtig, im Sommer morgens gut zu lüften, um die kühle Morgenluft auszunutzen.

Architektonisches Konzept

Der Baukörper sollte einerseits den baurechtlichen Rahmen in Bezug auf die verbaute Fläche als auch die Gebäudehöhe bestmöglich ausnutzen, andererseits als Gesamtkörper eine starke Verbindung mit dem Gartenraum eingehen. Durch horizontale und vertikale Staffelung des Baukörpers ist es gelungen, für die Aufenthaltsräume im EG eine Raumhöhe von 270cm und im OG von 290cm zu erreichen.

Optisch ist der Baukörper durch die Kombination mehrerer Fassadenoberflächen aufgelockert. Dachüberstände für verputzte Fassaden, kubische Formen für Holzfassaden. Fensterrahmen sind innen in Holz, außen in Alu vorgesehen.

Energiekonzept

Es gibt aus meiner Sicht hier mehrere Varianten, die im einzelnen abzuwägen sind:

Variante A bei Nutzung des Therapieraums im KG einmal wöchentlich: Beheizung von EG und OG über Kompaktlüftungsgerät Aerosmart M oder L, Spitzenlastabdeckung mit einem automatisch angesteuerten Pelletsofen oder einem händisch zu steuerndem Scheitholzofen im Wohnbereich. Beheizung des Kellers über den vorhandenen Schwedenofen. Optional solare Warmwasserbereitung mit 8m² Sonnenkollektoren aufgeständert. Optional 23m² Solarzellen fassadenintegriert. Systemkosten etwa 22.000 Lüftung+4.000 Pelletsofen+3.000 Kamin+3.000 Kamin= 32.000 € netto.

Höhere Betriebskosten durch Kehrgebühr für zwei Kamine,

Das System der klassischen Wärmeverteilung im Passivhaus erfolgt über geringste Luftmengen, die in die Aufenthaltsräume eingeblasen werden. Die thermische Leistung dieses Systems ist mit dem hygienisch erforderlichen Luftwechsel begrenzt. Daher müssen alle Bauteile thermisch optimiert ausgeführt werden, um eine Heizlast von etwa 10W/m² zu erreichen. Die Regelung erfolgt über einen Raumthermostat. Einzelne Räume kühler zu halten ist nicht vorgesehen.

Variante B bei Nutzung des Therapieraums im KG dreimal wöchentlich: Aerosmart M oder L, Beheizung des Therapiebereichs im KG über Pelletsofen mit wahlweise direkter Wärmeabgabe oder Warmluftzügen in das EG. Systemkosten etwa 22.000 Lüftung+6.000 Pelletsofen+3.000 Kamin= 30.000 € netto.

Variante C bei Nutzung des Therapieraums im KG dreimal wöchentlich: Beheizung von EG, OG und Therapiebereich über Wasser/Wasser-Wärmepumpe, Wärmeverteilung über Fussbodenheizung, Lüftung über Aerosilent classic, optional Wohnraumofen, Solaranlage, Fotovoltaik. Systemkosten 12.000 Lüftung+16.000 W-Wärmepumpe+2000 Brunnen+ FB-Heizung 9.000= 39.000 € netto. Gute Regelbarkeit der einzelnen Räume, Lüftung heizt nicht, Kühlmöglichkeit im Sommer nur bei Wand- oder Deckenheizung.

Bei allen drei Varianten ist die Kombination mit einer Fotovoltaikanlage sinnvoll, da damit völlige Autarkie erreicht werden kann. Die Fassadenintegration von 23m² Solarzellen bringt eine Leistung von etwa 3 kWp. Die Anschaffungskosten würden bei etwa 20.000 Euro liegen. Durch die Fassadenintegration ergeben sich Substitutionskosten für den Entfall der Fassadenverkleidung in der Größenordnung von etwa 2.000 Euro. Durch die Förderung ergeben sich weitere Vorteile. Details wären mit einem Fachmann zu besprechen.

Bautechnisches Konzept

Die Kellerwände aus Ortbeton oder Betonfertigteilwänden werden auf einer Dichtbetonfundamentplatte errichtet. Die Kellerwände werden gegen drückendes Wasser abgedichtet und mit 5cm XPS-Platten gedämmt. Die Kellerdecke kann als Massivdecke oder thermisch optimiert als Holzbalkendecke ausgeführt werden. In zweiterem Fall müssen die Kellerwände dem Erdruck standhalten und mit einer Betonschürze bis über Geländeniveau ausgeführt werden.

Die Außenwände bestehen aus einer thermisch optimierten Riegelkonstruktion mit innenseitiger Feuerschutzverkleidung und außenseitig Verputz oder Verkleidung. Die Decke über EG kann als Holzbalkendecke oder Massivholzdecke ausgeführt werden. Das Flachdach besteht aus 40cm starken Stegträgern mit raumseitiger Feuerschutzverkleidung und außenseitig hinterlüftetem diffusionsoffener Abdichtung mit Kautschukfolie und Kiesabdeckung.

Fenster und Türen entsprechen dem Passivhausstandard und bieten mit Pilzzapfen einen effizienten Einbruchsschutz. Wo Sturzgefahr besteht, können Sicherheitsgläser eingesetzt werden. Der Einbau erfolgt raumseitig diffusionsdicht und außenseitig schlagregensicher und diffusionsoffen. Die Dichtheit der Gebäudehülle wird mittels eines Blowerdoor-Tests während des Baus nachgewiesen.

Bei Entfall einer Fußbodenheizung kann die Fußbodenkonstruktion ohne Estrich ausgeführt werden, was den Bau beschleunigt. Speichermassen im Gebäude sind in keinerlei Hinsicht notwendig, sondern im Gegenteil kontraproduktiv.

Holzterrassen müssen auf einer hinterlüfteten Unterkonstruktion gebaut werden, die gewährleistet, dass das Holz nicht feucht liegt. Als Material empfehle ich normale Lärchendielen, die verdeckt geschraubt werden. Gerillte Dielen bleiben länger feucht und nehmen mehr Schmutz auf. Die Rutschhemmung ist nur in Querrichtung besser.

 

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