266 Vorwärts in die Zukunft

266 Vorwärts in die Zukunft

Vorwärts in die Zukunft

Der rasante Weg einer Wiener Wohnung von 1965 nach 2015

Kein DeLorean war notwendig, um die dunkle, unbehagliche und zugige Wohnung im 5. Wiener Bezirk in eine schönere Zukunft zu katapultieren, sondern die Überzeugung der Auftraggeber und die Kreativität, Erfahrung und das Können der Beteiligten. Als Treibstoff für die Architektur-Zeitmaschine dienten gezielte bauliche und technische Eingriffe wie Innendämmung, neue Fenster und Heizung, die Entfernung einiger Zwischenwände sowie der Einsatz natürlicher Materialien und einer Komfortlüftung. So beamten wir die Eigentumswohnung 50 Jahre in die Zukunft.

Kreativität öffnet Grenzen

Uns war sofort klar, dass eine Verbesserung der Raumstruktur mit Kosmetik nicht zu erreichen ist, sondern einige radikale Maßnahmen erfordert. Als Erstes wurde die Wand zwischen Küche und Wohnraum entfernt und das Fenster in den dunklen Lichthof geschlossen. Diesen Ausblick vermisst  heute niemand mehr. Als Nächstes wurde die Öffnung zwischen Wohnraum und Diele vergrößert, um sie hell und freundlich werden zu lassen.

Das wesentliche Ziel war, Eleganz und Charakter zu erzeugen. Nach der Öffnung der Raumgrenzen verbindet nun ein durchgehender wunderschön geölter Eichenboden alle Räume. Das schafft Weite und Offenheit.

Es gab auch noch die typischen lackierten Holztüren mit Füllung, die man durchaus auch streichen hätte können. Aber neue, glatte und wandbündige Innentüren passten einfach besser zur neuen Anmutung. Dafür blieben die  weißen, facettierten Wandfliesen in Bad und WC erhalten. Zum Glück fanden wir noch einige Stücke im Keller, um die Verfliesung an einigen Stellen ergänzen zu können.

Der weiße Marmorboden in Bad und WC war wiederum nicht attraktiv genug, um erhalten zu werden. Ein fugenloser und fußwarmer Polyurethan-Belag war der perfekte Ersatz für den kalten Stein und die unhygienischen Mosaikfliesen in der Dusche. Da der flüssig aufgebrachte, baubiologisch einwandfreie  Belag direkt auf den alten Fliesen aufgebracht werden konnte und zugleich die notwendige Feuchtigkeitsabdichtung bildete, war das auch aus ökonomischen Gründen eine perfekte Lösung.

Für die Wände gelang es der Bauherrin – mit Unterstützung unserer ehemaligen Mitarbeiterin und Farbberaterin DI Pia Buxbaum – jedem Raum eine individuelle Farbstimmung zu geben. Sanfte Braun-, Grün- und Gelbtöne an den Wänden treten durch die weißen Sockelprofile und die weiße Decke besonders schön hervor. Die umweltfreundlichen Anstriche der englischen Firma Farrow&Ball waren dafür die idealen Produkte.

Eine gesunde Gebäudehülle schafft Wohlbehagen

Dass die alten undichten Aluminiumfenster gegen formschöne Holz/Alu-Fenster mit Dreifachverglasung getauscht wurden, wird nicht überraschen. Dezent grau lackierte, schmale Holzrahmen unterstützen das Ziel, Eleganz zu vermitteln. Wichtig war dabei der normgemäße luftdichte Einbau und die Dämmung der Fensterlaibungen.

Die Außenwände der 60er Jahre waren natürlich kalt und unbehaglich. Eine Außendämmung wäre daher am sinnvollsten gewesen, aber bei Dutzenden Wohnungseigentümern  ist das kaum durchsetzbar. Also sorgt nun eine 5cm starke Innendämmung für warme Wände und eine Reduzierung der Heizkosten auf etwa ein Drittel. Spezielle kapillaraktive Dämmplatten können Feuchte aufnehmen und verzögert wieder abgeben; so kann sich kein Schimmel bilden.

Technik ist sparsam und effizient

Trotz des hohen Aufwands für ein neues Rohr im Kamin entschieden sich die Auftraggeber wegen des höheren Wirkungsgrades für eine hocheffiziente Gas-Brennwerttherme. Die alten Heizkörper wurden gegen formschöne, glatte Radiatoren getauscht, die bisherigen, sichtbaren Heizungsrohre eingestemmt.

Den wahrscheinlich wichtigsten Beitrag zum guten Raumklima in der Wohnung liefert die neue Komfortlüftung. Zwei in die Außenwand von Bad und Wohnraum eingebaute Radial-Ventilatoren mit Piezo-Wärmespeichern sind so gesteuert, dass sie abwechselnd 30 Sekunden lang ein- bzw. ausblasen und so die Wärme der Abluft an die Frischluft übergeben können. Mit einer Luftmenge von 15-30m³pro Stunde sorgen sie unhörbar für frische Luft und halten bis zu 80% der Wärmeverluste zurück. Nebenbei verringert die Komfortlüftung den Staub in der Wohnung und führt sicher Schadstoffe und Feuchte ab.

Sanierung ist nicht billig sondern preiswert

Die Zeitreise dieser Wiener Wohnung 50 Jahre in die Zukunft kostete etwa 76.000€ zuzüglich Nebenkosten von etwa 18.000€ netto ohne Küche und Möbel. Alle Arbeiten wurden von kompetenten Firmen unter Aufsicht von ATOS innerhalb von 3 Monaten ausgeführt. Bei einer Nutzfläche von 80m² sind das Kosten von 1.150€/m². Betrachtet man nur die energetisch wirksamen Maßnahmen Fenster, Innendämmung, Lüftung und effizientere Heizung betrugen die Kosten nur  22.500€ netto, somit also 280€/m² Wohnfläche.

Die erzielte Energieeinsparung durch diese Maßnahmen beträgt über 2/3, die Energiekennzahl konnte von 100kWh/m² auf 30kWh/m² gesenkt werden. Aber die Energieeinsparung ist nur der erwünschte Nebeneffekt. Wesentlich größer, wichtiger und nachhaltiger als die finanzielle  Amortisation ist die Steigerung der Behaglichkeit, der Wohnqualität und des Wertes der Immobilie.

Heute ist die Wiener Wohnung ein behaglicher Rückzugsort für die viel beschäftigten Bewohner. „Wenn ich aus dem Ausland komme, bin ich froh, hier mein sicheres Heim zu haben, mich hier entspannen zu können, und alles passt“, meint die glückliche Eigentümerin.

Verlässliche Partner – perfekte Ergebnisse

Planung und Bauüberwachung: ATOS Architekten, www.atos.at
Baumeisterarbeiten: Fa. Ing. Kurt Hammerl, www.hammerl-bau.at
Innendämmung Multipor: Fa. Xella, www.xella.at
Heizung/Lüftung/Sanitär: Fa. Ing. Heinrich Kerschbaum, www.kerschbaum.net
Elektroinstallation: Fa. Ing. Paul Siblik, www.paul-siblik.at
Fenster und Innentüren: Fa. Josko Fenster & Türen, www.josko.at
Holzboden: Fa. Wohngesund, www.wohngesund.at
PU-Belag: Fa. EP&PU, www.eppu.at
Küche: Fa. DAN, www.dan-megastore.at

Heinrich Schuller

 

 

 

 

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