291 Passivhaus Königstetten

291 Passivhaus Königstetten

Passivhaus ist ein energetischer Standard, der seit 25 Jahren Gültigkeit hat. Ab 2020 dürfen in der EU nur mehr Gebäude dieser Kategorie gebaut werden. Etwas Schlechteres als Passivhausstandard wird es also in Zukunft nicht mehr geben. Wenn wie in diesem Fall auch die Überzeugung der Auftraggeber dazu kommt, dass gesundes Wohnen auch etwas mit Technologie, Ökologie, Materialqualität, Farben und Licht zu tun hat, freuen wir uns umso mehr, bei der Verwirklichung eines zukunftsfähigen Gebäudes behilflich zu sein.

Architektur

Die Vorgabe Bauklasse I führte zu einem fast quadratische Einfamilienhaus mit einem asymetrischen Steildach. Die nach Süden gerichtete Dachfläche wird mit einer Neigung von 25° ausgeführt, während die nordseitige Dachfläche eine Neigung von 45° hat. So entsteht eine potentielle Solarbezugsfläche von 80m² ohne Durchdringungen.

Das Grundstück wird von Süden erschlossen. Der Zugang wurde auf die Westseite gelegt, um die Niveaus besser ausgleichen zu können und die unbebaute Ostseite frei zu halten. Der einfache Baukörper ohne Dachüberstände ermöglichte eine kostengünstige Errichtung. Die Ersparnis konnte in qualitative Benefits wie das umlaufende Vordach und eine gedeckte Terrasse gesteckt werden. Das Vordach ist sehr funktionell und akzentuiert den Baukörper optisch. Es sorgt für die Beschattung der Fenster, garantiert den regensicheren Zugang vom Carport bis zur nordseitigen Terrasse und schützt die Fassade vor der Witterung.

Der Grundriss ist kompakt organisiert, gleichzeitig mit diversen Öffnungen und Blickverbindungen möglichst großzügig wirkend. Das Wohn-/Esszimmer öffnet sich Richtung Südosten über eine breite Eckverglasung mit einer Doppeltüre. So ist 2/3 der Südfront öffenbar. Im EG befinden sich weiters ein Multifunktionszimmer, ein Gäste-WC, sowie ein Abstellraum mit Dusche und Waschbecken. Im Bedarfsfall kann WC und Abstellraum zu einem rollstuhlgerechten Bad umgebaut werden.

Die zweiläufige Treppe war seitens der AG gewünscht, da die beruflichen Erfahrungen gezeigt haben, dass bei Gehbehinderung ein beidseitiger Handlauf und eine gerade Treppe notwendig sein können. Oben befinden sich Elternschlafzimmer sowie drei Kinderzimmer. Drei der vier Zimmer sind von zwei Seiten belichtet. Ein großzügiges Bad mit Doppelwaschbecken, Badewanne und Dusche ist ebenfalls von zwei Seiten belichtet. Insgesamt konnte das große Raumprogramm auf einer Nutzfläche von 154m² gut untergebracht werden.

Der Keller wurde in die thermische Hülle integriert, weil sich ein Billardraum und ein Fitnessraum dort befinden.

Technik

Das erklärte Ziel war eine möglichst ökologische Bauweise mit geringem Erhaltungsaufwand.  Um die Kosten gering zu halten, gibt es keine Kellerfenster, dafür sichtbare Installationen. EG und OG bestehen aus einer Holzriegelkonstruktion mit Dämmung aus Zellulose. Die Geschoßdecke über dem EG wird als sichtbare Massivholzdecke mit einer Verkleidung aus Weißtanne ausgeführt. Das Satteldach ist eine hinterlüftete Holzkonstruktion mit Zellulosedämmung und  Blechdeckung. Auch hier kommt eine Weißtannenverkleidung zum Einsatz. Fenster und Türen werden mit Holz/Alu-Rahmen mit Dreifachwärmeschutzverglasung angenommen.

Gemäß OIB-Energieausweis beträgt die Energiekennzahl des Gebäudes knapp unter 10kWh/m²a. Aufgrund des teilweise zu beheizenden Kellers kommt eine Erdreichwärmepumpe mit einer Leistung von 5kW zum Einsatz. Das Kompaktgerät aus österreichischer Fertigung vereint die Funktionen Heizung, Kühlung, Lüftung und Warmwasserbereitung, was äußerst wirtschaftlich ist.

Da die Versorgung mit frischer Luft in modernen Gebäuden nicht mehr durch undichte Fenster passiert, muss für kontinuierlichen Luftwechsel gesorgt werden. Da die Luftqualität bei geschlossenen Fenstern innerhalb kürzester Zeit sehr schlecht wird, kommt eine Komfortlüftung zum Einsatz, die Schimmelbildung und schlechte Luft verhindert. Der Wirkungsgrad des Gegenstromwärmetauschers von ca. 85% bedeutet, dass fast die gesamte Wärme der verbrauchten Luft wiedergewonnen wird. Die beiden Ventilatoren werden von einem CO²-Fühler gesteuert, der die Lüftung also nur in Betrieb nimmt, wenn Personen anwesend und die Fenster geschlossen sind.

Bevor das Regenwasser in den öffentlichen Kanal fliest, wird es in einer Zisterne gesammelt. Die 5kW-Fotovoltaikanlage sorgt für eine Reduktion der Stromkosten um etwa die Hälfte.

Ökologie

Ein Haus in dem gelebt wird, sollte so gesund wie möglich sein. Materialien, die permanent Giftstoffe abgeben, haben hier nichts verloren. Im Idealfall können Putze, Farben, Bodenbeläge, Fensterrahmen, Möbel etc. Gerüche, Feuchtigkeit etc. absorbieren und später wieder abgeben. Materialien, die zu einer statischen Aufladung führen, sollten vermieden werden. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt für saubere Luft und geringe allergene Belastung.

Holzbauweisen zeichnen sich durch die leichte Zerlegbarkeit und somit gute Wiederverwendbarkeit der Bauteile aus. Die Lebensdauer von Holzbauteilen ist aufgrund der hohen Qualität der Ausführung heute mit Sicherheit ebenso lang wie Massivbauweisen. Holz ist ein CO2-neutraler Baustoff. 1m² Holzkonstruktion entlastet die Umwelt um 88kg CO² während 1m² Hohlziegelmauerwerk unsere Umwelt mit 45kg CO² belastet. (Quelle: PRO HOLZ)

Grundlegende Anforderungen an eine nachhaltige Gebäudequalität sind Luftdichtheit, Diffusionsoffenheit, Schutz gegen Nässe und Wärmebrückenfreiheit. Gemessene Luftdichtheit im Bereich von unter 0,6lw bei Prüfdruck von 50Pascal gewährleistet, dass warme, feuchte Raumluft nicht durch Undichtheiten der Außenhaut dringen kann. Einerseits werden dadurch unnötige Wärmeverluste verhindert, andererseits die Baukonstruktion vor feuchtebedingten Schäden geschützt.

Diffusionsoffenheit bedeutet nicht, dass die Raumfeuchte nach außen abgeführt wird, sondern dass der aufgrund des physikalischen Druckunterschieds zwischen warmer Innenraumluft und kalter Außenluft durch die Außenbauteile nicht zu sehr behindert wird. Außenwände und Dach ermöglichen die Diffusion nach außen, die aber nur in ganz geringem Maß zur Feuchteregulation beiträgt.

Grundsätzlich empfiehlt ATOS den Einsatz möglichst naturbelassener Materialien, sei es Baustoffe, Dämmstoffe, Putze, Farben, Bodenbeläge oder sonstiges und langlebige, reparierbare Konstruktionen mit Verschraubungen statt Verklebungen.

Spiritualität

Was macht ein Gebäude mit den Menschen, die es bewohnen? Weiss man das im Vorhinein? Wie werden sich die Bewohner in den Räumen fühlen? Fragen, die man sich als Planer stellt, auf die aber erst die Realität die richtigen Antworten gibt. Deshalb verlässt man sich als Planer auf seine Vorstellungskraft und seine Erfahrung. Jeder Mensch ist anders, hat aber zum Glück nicht völlig unterschiedliche Bedürfnisse. Wir alle möchten uns geborgen fühlen, die Sonne auf unserer Haut spüren, die Natur sehen, möchten Räume, die behaglich, sicher und warm sind. Wir alle möchten einen Platz für uns alleine haben, für Geselligkeit, für Liebe, für Intimität, für Freude, für Ruhe und Erholung.

 

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