088 Haus für einen Allergiker, 1220 Wien

088 Haus für einen Allergiker, 1220 Wien

Baubiologische Sanierung und Aufstockung eines nicht unterkellerten Gartenhauses für eine dreiköpfige Familie. Der Bauherr ist seit vielen Jahren Asthmatiker.

Unter Ausnutzung aller baurechtlichen Möglichkeiten wurde das kleine Gartenhaus wesentlich vergrößert. Die Aufstockung erfolgte in Holzriegelbauweise, das gesamte Gebäude wurde mit einer unbehandelten Lärchenholzschalung verkleidet. Das Erdgeschoß wurde bis auf den Einbau der Treppe in einem ehemaligen Zimmer weitgehend unverändert belassen. Da sich der Wohnbereich im Obergeschoß befindet, wurde hier eine gedeckte Dachterrasse angeordnet und der Wohnraum mit einer großen Hebeschiebetüre versehen. Im Dachgeschoß befinden sich ein weiteres Zimmer und eine Galerie. Die plastisch und farblich hervorgehobene Dachgaube eröffnet nach Westen den Blick zur alten Donau. Der neue Eingang erhielt ein ebenfalls farblich akzentuiertes Vordach.

Bauen für Asthmatiker:
Dem allergischen Asthma des Bauherrn wurde in Bezug auf folgende Schadstoffgruppen besondere Beachtung geschenkt: Schimmel, Formaldehyd, Allergene, flüchtige Kohlenwasserstoffe, Gerüche. Als relevant wurden nur jene Schadstoffe betrachtet, die mit dem Innenraum in Verbindung stehen. Leider gibt es noch wenig Untersuchungen über die kumulative Wirkung von verschiedenen Schadstoffen, weil bisherige Untersuchungen sich jeweils nur auf einzelne Schadstoffgruppen beziehen.

Wohnraumlüftung:
Da der Bauherr besonders empfindlich auf Staub und Gerüche reagiert, wurde eine kontrollierte Wohnraumlüftung System Drexel & Weiss AEROSILENT classic eingebaut. Das Gerät befindet sich im Obergeschoß, wodurch die Verteilungsleitungen möglichst kurz gehalten werden konnten. Die Frischluftansaugung erfolgt über einen Erdwärmetauscher. Die hochwertigen Filter sorgen für eine möglichst staubfreie Innenraumluft.

Luftdichtheit:
Den heute üblichen Anforderungen entsprechend wurde den Bauausführenden ein maximal zulässiger Luftwechsel beim genormten Blowerdoortest von maximal 1,0 vorgeschrieben. Wie zu erwarten war, gab es besonders im Altbau und im Übergang zum Neubau größere Probleme mit Luftleckagen. Beim Einbau der Fenster und Türen wurde darauf geachtet, dass raumseitig die nach Ö-Norm geforderte luftdichte Abklebung mit dampfdichten Klebebändern erfolgte. Die verwendeten Fenster der Fa. Josko bestehen innenseitig aus Lärche und außenseitig aus einer ALU-Deckschale. Die Holzrahmen wurden mit ADLER Aquawood Lärchenöl farblos, einer wasserverdünnbaren Alcydharzdispersion geschützt.

Formaldehyd:
Im Holzbau werden heute OSB-Platten in großem Umfang eingesetzt, welche aufgrund der Formaldehydverordnung der Klasse E1 (=0,1ml/m³ Raumluft oder =0,1ppm) entsprechen müssen. Um das deutsche Umweltzeichen zu erhalten, muss ein Wert von 0,05 unterschritten werden. Für empfindliche Personen wird ein Wert =0,01ml/m³ empfohlen. Die auf der Zwischendecke und an der Innenseite der Außenwände verwendeten OSB-Platten der Marke EUROSTRAND OSB 4 TOP weisen einen Formaldehydgehalt von 0,003-0,01ppm auf und erfüllen somit die höchsten Anforderungen.

PU-Schaum:
Innentüren werden heute üblicherweise mit PU-Schaum eingebaut, der ein beträchtliches gesundheitliches Problem darstellen kann. Beim Einbau der Innentüren wurde deshalb die Fuge zwischen Türstock und Mauerwerk nicht ausgeschäumt, sondern mit Hanfzöpfen händisch ausgestopft. Für die Türstöcke wurde massive einheimische Birke statt Spanplatten verwendet. Die Oberflächenbehandlung erfolgte mit farblosem Öl der Marke Trip Trap.

Holzboden, Kleber, Dämmung:
Auf die Verklebung von Holzböden wurde zugunsten einer schwimmenden Verlegung eines Fertigparketts verzichtet. Es wurde Fertigparkett der Marke TILO Parkett Schiffboden Birke mit einer vorgeölten Oberfläche verwendet. Cliksysteme haben den Vorteil, lösbar zu sein. Verlegt wurde der Holzboden direkt auf Holzweichfaserplatten der Marke PAVABOARD, welche mit dem Umweltzeichen natureplus ausgezeichnet sind.

Gipsfaserplatten:
Aufgrund vorliegender baubiologischer Prüfzeugnisse kann von einer Unbedenklichkeit dieser Materialien ausgegangen werden. Nicht gesichert ist dies jedoch für die Kleber und Spachtelmassen, mit denen die Gipsplatten verbunden bzw. gespachtelt werden. Grundsätzlich muss davon ausgegangen werden, dass die gängigen vergüteten Spachtelmassen flüchtige organische Kohlenstoffverbindungen VOC abgeben, es aber keine in der Praxis tauglichen baubiologisch einwandfreien Alternativen gibt.

Dämmung:
Als Wärmedämmung wurde in Außen- und Zwischenwänden sowie Dach und Zwischendecken eingeblasene Zellulosedämmung verwendet. Diese kommt jedoch mit der Raumluft nicht in Kontakt. Das gleiche trifft auf die verwendete Perimeterdämmung aus XPS-Platten zu. Auf die Verwendung von Steinwolle und EPS wurde im Innenraum verzichtet und statt dessen Holzweichfaserplatten eingesetzt.

Wandfarben:
Es gibt mittlerweile eine Reihe baubiologisch geprüfter Wandfarben, die nachweislich keine problematischen Inhaltsstoffe enthalten. Entsprechende Produkte können über die Homepage www.ixbau.at gesucht und baubiologisch verglichen werden. Die Datenbank www.ixbau.at wurde vom Österreichischen Institut für Baubiologie und -ökologie erstellt und ermöglicht einen raschen Überblick über die baubiologischen Eigenschaften verschiedener Bauprodukte.

 

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