238 Neubau EFH 1130 Wien

238 Neubau EFH 1130 Wien

Das Grundstück ist südseitig von einem alten Wohnobjekt beträchtlich beschattet. Zusätzlich wirken mehrere große Bäume schattenwerfend. Westseitig führt ein neueres Wohnhaus zu einer Verschattung am Abend. Nordseitig liegen eine größere Anzahl von Tennisplätzen.
Das Erdgeschoss soll Diele, Garderobe, Gästebad/WC, Wohnraum mit integrierter Küche und Multifunktionsraum enthalten. Das OG enthält Elternschlafraum, Kinderzimmer teilbar, Bad, WC, Schrankraum. Da der Fitness/Wellnessbereich täglich genutzt wird, und Tageslicht haben soll, wird die Situierung im Keller als ungünstig betrachtet. Vorgeschlagen wird die Situierung des Fitness/Wellnessbereichs im OG, da damit die Kompaktheit des Gebäudes gefördert, die Flexibilität verbessert wird, und durch Entfall einer zusätzlichen Sanitäreinheit Kosten gespart werden. Für Gymnastik im Freien soll es einen Balkon geben. Geborgenheit ist ein wesentlicher Anspruch an Haus und Gartengestaltung.

  • Da die Besonnung nicht optimal ist, soll das Gebäude möglichst südorientiert platziert werden. Jeder Sonnenstrahl soll eingefangen werden.
  • Die Zufahrtsmöglichkeit für PKW ist eingeschränkt auf den Bereich zwischen den Baumscheiben. Mit der straßenseitigen Garage, die gleichzeitig den nötigen Stauraum bietet, gelingt es einen sehr intimen Gartenbereich zu schaffen.
  • Da das alte Haus inklusive Keller abgebrochen wird, könnte in der Baugrube der neue Keller errichtet werden, was Aushubkosten spart. Der Kellerabgang könnte im überdachten Eingangsbereich oder in der Garage liegen. Die Haustechnik kann im Keller untergebracht werden.
  • Das Wohnhaus kann in diesem Konzept kostensparend auf Streifenfundamenten errichtet werden. Das ermöglicht die komplette Vorfertigung der thermischen Gebäudehülle und damit eine kurze Bauzeit.

Grundriss Erdgeschoß

  • Die Diele hat eine Größe von 6m². Nordseitig gibt es eine Schrankzone mit großen Schiebetüren, welche die Nutzung wie eine begehbare Garderobe ermöglichen. Diese Garderobe ist 3m² groß.
  • Die Treppe in das OG ist einläufig gerade, was eine gute Begehbarkeit ergibt. Die Oberlichten im Dachgeschoss bewirken, daß der Stiegen- und Gangbereich trotz nordseitiger Lage gut besonnt ist.
  • Das Gästebad besteht aus Dusche, Waschbecken und WC, das auch separiert werden kann. Größe 4m²
  • Der Multifunktionsraum enthält zwei Arbeitstische sowie eine Sitzbank, die als Gästebett dienen kann. Eine Überlegung ist, die Arbeitstische nach oben klappbar zu machen, um im Bedarfsfall leicht Platz für ein Doppelbett zu haben. Größe 15m²
  • Unter der Treppe kann der Raum als Abstellraum genutzt werden. Größe 3m².
  • Die Mittelzone des Hauses ist 60cm, zwischen denen eine Schrankzone als Raumteiler entsteht. Es kann wahlweise die gesamte Tiefe auf einer Seite oder jeweils 30cm auf beiden Seiten genutzt werden. In dieser Schrankzone laufen auch die nötigen Lüftungsleitungen. Im Stiegenbereich dient die Schrankzone als zweiseitiges Bücherregal, wobei zwischen den Büchern Durchblicke zum Wohnraum möglich sind.
  • Der Wohnraum erstreckt sich über die gesamte Breite des Hauses. Durch leichte Schrägstellung des Küchenblocks sowie der Sitzmöbel entsteht eine spannungsvolle Situation. Der Wohnraumofen an der ostseitigen Außenwand stellt dort einen idealen Blickfang dar. Größe 54m². Der Ofen sollte nicht in der Nähe des Essplatzes situiert werden, da es sonst dort zu warm wird. Idealerweise soll der Ofen im Sitzbereich stehen, weil man dort am ehestens auskühlt. Der schönste Platz des Hauses ist wahrscheinlich die Sitzbank neben dem Ofen.
  • Der Küchenblock durchstößt optisch die Glasfront und setzt sich außen als Anrichte oder Gartenküche fort. (siehe Foto) Denkbar wäre noch ein kleines Fenster von der Küche zum straßenseitigen Vorplatz.
  • Die Südfassade wurde kostensparend mit normalen Balkontüren und Fixverglasungen versehen. Genauso möglich wären auch großflächige Hebeschiebetüren, die aber deutlich teurer sind.
  • Der Wohnbereich könnte entsprechend dem Geländeverlauf wie bei unserem Gespräch angedeutet, abgesenkt werden. Allerdings schränkt das die Nutzbarkeit des Raumes ein und verursacht hohe Kosten. Daher wurde vorerst darauf verzichtet.
  • Die Garage ist so groß, dass ausreichend Stauraum entsteht. Ein Fenster auf der Ostseite ermöglicht die Nutzung als Werkstatt. Die Türe zum Eingangsbereich ermöglicht den raschen Zugang zum Haus. Größe 42m². Der Keller darunter hat gleiche Größe. Gesamtwohnnutzfläche EG ca. 90m²

Grundriss Obergeschoß

  • Dem klar strukturierten Konstruktionsprinzp folgend, sind die Aufenthaltsräume alle südseitig orientiert. Der westseitige Fitness-Wellnessraum kann so auch als zusätzliches Zimmer genutzt werden. Größe 12,5m²
  • Nordseitig anschließend befindet sich die Sauna mit einer großzügigen Dusche, die mit einem raumhohen Fenster versehen ist. Dieses Fenster, im unteren Bereich undurchsichtig, ist wasserdicht. Größe 7m². Daneben liegt das WC mit einer Größe von 2m² und einem Fenster.
  • Der nordseitige Gangbereich ist entlang der Nordwand mit einer Schrankzone versehen, die wie im EG mit großen Schiebewänden geschlossen wird. Durch die Oberlichten ist dieser Bereich trotz fehlender Fenster sehr sonnig. Größe 12m²
  • Das Bad auf der Ostseite enthält die Badewanne, Waschbecken und Waschmaschine mit einer Größe von 8m². Die Sanitärgegenstände sind so situiert, daß sie sich nicht angrenzend an einen Schlafraum befinden.
  • Die beiden Kinderzimmer, je 13,5m², der Elternschlafraum 13,5m² und der Fitnessraum haben eine Türe auf den schmalen Balkon, über den man seitlich auf das Dach der Garage gelangt. Auch hier kann die Schrankzone im Mittelteil einem der Räume, dem Gang oder beiden zur Hälfte zugeschlagen werden.

Architektur

  • Die beiden Südansichten zeigen zwei von vielen möglichen Gestaltungsvarianten, welche im Dialog besprochen werden müssen.
  • Die gerundete Dachform ist kostentechnisch nicht teurer als ein Flachdach. Bei dieser Variante bietet sich aber die Begrünung der Dachfläche an. Die wesentlichen Vorteile dieser Dachform ist der eigenständige Charakter, die gleichzeitige Überdachung des Autoabstellplatzes sowie als Highlight der gedeckte Dachterrassenbereich auf der Garage.
  • Wesentlich ist auch die Situierung der PV-Module, welche bei der gerundeten Variante in die Fassade des OG integriert werden kann. Alternativ wäre auch die Anordnung als Brüstung des Balkons denkbar. Bei der Flachdachvariante wäre natürlich auch die Aufständerung auf dem Flachdach denkbar, die aber erfahrungsgemäß um 10% mehr kostet.

Bautechnik

  • Für eine Ausführung des Hauses in Holzbauweise bietet sich die Fundierung auf Streifenfundamenten als sparsamste Variante an, weil hier die wenigsten Erdarbeiten notwendig sind. Darüber wird eine vorgefertigte, hochgedämmte Bodenplatte verlegt und darauf das Haus aufgebaut.
  • Wir empfehlen üblicherweise statt Verkleidung der Außenwände mit Gipsplatten, die Herstellung eines Innenputzes, was mehr Speichermasse bringt. Möglich wäre die Unterbringung von Wandheizflächen in diesen verputzten Bereichen.
  • Kostensparend wäre der Verzicht auf schwimmende Betonestriche, da diese meist viel Feuchtigkeit ins Haus bringen und eine lange Trockenzeit haben. Problematisch ist dies nur bei Fliesenbelägen, die einen entsprechenden Untergrund benötigen.
  • Durch die 60cm tiefe Mittelzone können kostensparend Schränke als Raumteiler eingebaut werden. Durch die Situierung der Lüftungsleitungen in dieser Zone entfallen auch teure abgehängte Decken.

Energietechnik

  • Die Kompaktheit des Gebäudes hilft bei der Erreichung des Passivhausstandards, welcher Grundlage für ein optimales Raumklima und die bekannt hohe Behaglichkeit eines Passivhauses ist.
  • Die Komfortlüftung wird nach neuestem Stand mit einer CO²-Steuerung versehen, die das Gerät nur dann in Betrieb nimmt, wenn auch Personen im Haus sind. Damit wird verhindert, dass die Luftfeuchtigkeit unter 40% sinkt, und gleichzeitig Lüfterstrom gespart.
  • Die Beheizung erfolgt im Idealfall mit einer Sole/Wasser-Wärmepumpe, wahlweise mit Solekreis oder Tiefensonde, welche in Wien sogar gefördert wird. Die Wärmeverteilung kann über Fußboden-, Wand- oder Deckenflächen erfolgen. Zudem ist es mit diesem System einfach eine effiziente passive Kühlung zu installieren.
  • Die Steuerung der Haustechnik erfolgt zentral über eine Steuereinheit, welche Filterwechsel anzeigt, und auch Beschattung und Wohnraumofen regelt.

Ökologie und Baubiologie

  • Zu den baubiologisch relevanten Maßnahmen gehört die Verwendung möglichst naturbelassener Materialien, deren Oberflächen mit umweltfreundlichen Ölen und Wachsen offenporig behandelt sind. Materialien, die mit der Raumluft in Verbindung stehen, sollten unter keinen Umständen giftige Abgasungen verursachen.
  • Materialien wie Zellulosedämmung, Lehm, Holz etc. weisen eine deutlich bessere Umweltbilanz auf als Materialien wie Beton, Stahl, Styropor. Der Einsatz solcher Stoffe stellt einen beträchtlichen Beitrag zum Klimaschutz dar.
  • Entscheidungen wie jene für ein begrüntes Flachdach sind nicht einfach eine technische Entscheidung für ein sehr sicheres System, sondern auch ein Statement für Nachhaltigkeit. ATOS verwendet seit 10 Jahren ausschließlich EPDM-Folien aus Kautschuk, weil diese erstens sehr sicher sind und zweitens bezüglich Haltbarkeit und Umweltfreundlichkeit derzeit das Optimum darstellt. Eine Dachbegrünung ist nicht nur ein schönes Dach, sondern auch der beste Schutz für eine Flachdachabdichtung und ein positiver Beitrag für das lokale Klima.
  • Das Passivhaus ist auch der Beweis, dass Energiesparen nichts mit Komfortverzicht zu tun hat. Im Gegenteil bedeutet energieeffizientes Bauen im Regelfall auch Steigerung des Komforts, der Behaglichkeit und des Gebäudewertes.
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