230 Nullenergiehaus Langenzersdorf

230 Nullenergiehaus Langenzersdorf

Es war das erklärte Ziel, ein energieneutrales und möglichst ökologisches Einfamilienhaus zu bauen. Das Nullenergiehaus Langenzersdorf sollte den Betrachter erfreuen und den Bewohnern ein optimales Wohnklima bei geringsten Betriebskosten bieten. Von Beginn an war die Planung von dem Thema Privatheit und Raumqualität bestimmt. Trotz offener Bebauungsweise wurde versucht, klar definierte bzw. geschützte Außenräume zu schaffen. Aus Kostengründen wurde die bestehende Garage saniert und in das Konzept integriert.
Das vorliegende Entwurfskonzept wurde in einem kooperativen Planungsprozess entwickelt. Diese Methode ermöglicht den Auftraggebern die eigenen Bedürfnisse zu bestimmen und unbewusste Wünsche zu konkretisieren. In einem offenen Prozess werden alle relevanten Aspekte diskutiert und integriert. Diese ganzheitliche Herangehensweise verbindet Funk-tionalität, Ästhetik, Ökonomie und Ökologie mit der Persönlichkeit der Auftraggeber zu einer maßgeschneiderten Lösung.

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ARCHITEKTUR
ATOS ist der Meinung, dass Schönheit von Bauten einen ebenso großen Wert darstellt wie Funktionalität, technische Perfektion und ökologische und baubiologische Qualität. Die schönste Architektur ist wertlos, wenn sie nicht auf die emotionalen Bedürfnisse und individuellen Prägungen Rücksicht nimmt. Aus diesem ganzheitlichen Anspruch heraus entwickelt ATOS die Funktion und Form des Hauses, die Proportionen, Öffnungen, Materialien, Farben und Lichtstimmungen.

Man nehme zwei unterschiedlich große Würfel, der eine aus Holz, der andere dezent grün, und schiebe sie derart ineinander, dass Teile des einen im anderen erscheinen und umgekehrt. Dieser Gestaltungsansatz führt trotz der Unterschiedlichkeit der Oberflächen zu einer Homogenität der Gesamterscheinung. Der Zugang erfolgt unter einem großen, verbindenden Flugdach, welches an zwei Stellen von Lichtkuppeln durchbrochen ist. Das viele Lärchenholz taucht diesen Vorbereich in ein warmes freundliches Licht. Unter diesem schützenden Dach befindet sich nicht nur der Eingang, sondern auch der Abgang zum Keller, der Platz für Müllbehälter, Autoabstellplatz und Garagentüre. Den Besucher nicht im Regen stehen zu lassen, bevor man ihm öffnet, sagt viel über den Bewohner des Hauses aus.

Das gesamte Haus ist geprägt von der sorgfältigen Wahl der Fenstergrößen und Positionierungen. In dem heterogenen Umfeld wurden bewusst die optisch attraktiveren Blickbeziehungen durch die Anordnung der Öffnungen hervorgehoben. So ergab sich ein breites Küchenfenster mit Blick zur Straße und morgendlicher Sonne. Weiters ein Stiegenhausfenster mit Fokus auf das kleine Biotop anstatt auf des Nachbarn Terrasse.

Die im Wohnraum situierte Treppe ermöglicht einerseits eine äußerst sparsame Erschließung und bringt andererseits unerwartete Großzügigkeit und zusätzliches Tageslicht im Wohnbereich. Entgegen aktueller Vorstellungen von der großen Wohnküche befindet sich der Kochbereich abseits aber doch in Sprechdistanz zum Essplatz. Zwei große Räume befinden sich jeweils in EG und OG und dienen als flexible Einheiten, sei es als Fitnessraum, Kinderzimmer, Büro oder Gästebereich.

BAUTECHNIK
Da ein Keller nur für die notwendige Haustechnik vorgesehen war, wurde lediglich der kleinere der beiden Würfel unterkellert und thermisch als kalter Keller mit Zugang von außen errichtet. Die Außenwände des Hauses bestehen aus Kreuzlagenholz, einer Staffelkonstruktion mit Zellulosedämmung sowie entweder einer Holzweichfaserdämmplatte und Dünnputz oder einer hinterlüfteten Lärchenschalung. Um eine ausreichende Sockelhöhe zu erreichen, wurde entlang der Fundamentaußenkante ein 32cm hoher Betonsockel erstellt.
Die Fußbodenkonstruktion besteht aus einer Holzstaffelkonstruktion mit Zellulosedämmung, in der die notwendigen Lüf-tungs- und Kanalleitungen verlaufen. Darüber wurde ein klassischer schwimmender Heizestrich hergestellt. Die Zwischendecke aus Kreuzlagenholz ruht auf den Außenwänden bzw. auf einzelnen Stahlstützen, was die Flexibilität der Grundrissgestaltung erhöht.

Das Flachdach, bestehend aus Doppelstegträgern mit Zellulosedämmung, erhöht regensicherem Unterdach und EPDM-Kautschukabdichtung verfügt über rundum laufende Kastenrinnen sowie eine durchgehende Belüftung, welche optisch zu einer Neuinterpretation des Themas Attika führt. Bis auf die notwendigen Durchführungen für die PV-Anlage ist das Dach völlig durchdringungsfrei. Die Kastenrinnen aus EPDM-Kautschuk liegen im ungedämmten Randbereich des Daches und bieten somit größte Sicherheit.

Nach dem ersten Blowerdoor-Test erfolgte die Montage von 4cm Weichfaserplatten an der Innenseite der KLH-Wände sowie der Zwischendecke. Anschließend wurden dort die Elektroinstallationen eingefräst und verputzt. Diese Art des Innenausbaus erhöht die thermische Speichermasse gegenüber einem Trockenausbau.

Hochgedämmte Fenster/Türen sind wesentlicher Bestandteil eines Passivhauses. Die Oberflächentemperatur der Ver-glasung von etwa 17° Grad sowie der absolut luftdichte Einbau gewährleisten die hohe Behaglichkeit auch in direkter Nähe der Fenster. Die Dreifachverglasung in Verbindung mit Sicherheitspilzzapfen stellen einen sehr guten Einbruchs-schutz dar. Außen liegender Sonnenschutz ist bei einem hochgedämmten Gebäude mit wenig Speichermasse von großer Wichtigkeit für das sommerliche Klima. Deshalb werden hier elektrisch über Wind- und Sonnenfühler gesteuerte Raffsto-ren bzw. Tageslichtrollos eingesetzt.

HAUSTECHNIK
Das Einfamilienhaus entspricht mit 10 kWh/m²a BGF den Anforderungen für ein Passivhaus nach OIB. Wärmebrücken und Undichtheiten werden konsequent vermieden. Die zu beheizende Wohnnutzfläche beträgt 170m², welche über das Komfort-Wohnraumlüftungsgerät Type X² der Fa. Drexel & Weiss mit Wärme, Warmwasser und Frischluft versorgt wird. Die Wärmepumpe mit einer Heizleistung von 4kW bezieht seine Energie aus einer Tiefenbohrung auf dem Grundstück. Wassergeführte Wand- und Fußbodenheizungen der Fa. Harreither Energiesysteme bringen die notwendige Wärme ein. Im Obergeschoss wurden die Heizflächen als Deckenstrahlungsheizung ausgeführt, welche im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt werden können.
Die Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt für eine hygienisch einwandfreie und energieeffiziente Versorgung mit sauberer Frischluft und Abfuhr von verbrauchter Luft, Feuchtigkeit und Gerüchen. Durch die Trennung von Heizung und Lüftung kann die Luftmenge auf das hygienisch sinnvolle Maß beschränkt und über einen CO2-Fühler in der Abluft stromsparend geregelt werden.

ÖKOLOGIE
Umweltfreundliche Produkte und Materialien sind ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und Erhaltung der Lebensgrundlagen. Baubiologisch hochwertige Produkte zeichnen sich vor allem durch eine positive Wirkung auf die Menschen aus, die sich in Räumen aufhalten. Besonders wichtig sind diesbezüglich offenporige Oberflächen, die in Verbindung mit der Lüftungsanlage das Raumklima positiv beeinflussen.

SPIRITUALITÄT
Wer die Passion des Bauherren fürs Fliegen kennt, sieht sofort im holzverkleideten Kubus den Tower von dem der Blick in die Ferne, zum Himmel schweift. Das großzügig überdachte Flugdach mutet wie ein Gateway an und strahlt ebenfalls bereits die neugierige Erwartung – auf das was folgt – aus. Im Inneren dienen wohltuend breite „Gangways“ als Verbindung und das Wohnzimmer erfüllt die noble Atmosphäre einer VIP-Lounge. Das minimalistisch ausgestattete Bad und die funktionale „Boardküche“ lassen die Stimmung eines modernen Großraumflugzeuges der First Class aufkommen. Wenige, gekonnt aufeinander abgestimmte Materialien spiegeln als Synonym die Leidenschaft des Bauherren und somit – einen Teil – seiner Seele wider.

Architekt DI Heinrich Schuller

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