154 Passivhaus ALU MINI UM, Rekawinkel

154 Passivhaus ALU MINI UM, Rekawinkel

Seit 10 Jahren werden Häuser in Passivhausqualität gebaut. In diesem Zeitraum hat sich die Zahl der Passivhäuser jedes Jahr beinahe verdoppelt. Setzt sich diese Entwicklung fort, wird in wenigen Jahren das Passivhaus zum allgemeinen Baustandard geworden sein. Schon heute wird in Neubau und Althaussanierung wesentlich größerer Wert auf Energie, Behaglichkeit und Ökologie gelegt. Die Energiepreissteigerungen fossiler Energieträger beschleunigen diese Entwicklung.

Kein zertifiziertes Aluminiumprofilsystem
Passivhaustaugliche zertifizierte Fenster haben gemäß Passivhausinstitut Darmstadt einen durchschnittlichen Wärmedurchgangskoeffizienten des Fensterrahmens von 0,77 W/m²k. Solche Fenster können ohne speziellen Nachweis in Passivhäusern eingesetzt werden. Derzeit gibt es allerdings kein reines Aluminiumprofilsystem mit Zertifizierung. Die zertifizierten Produkte sind entweder Mischprodukte Alu-Holz oder Einzelanfertigungen oder überhaupt nicht am Markt erhältlich. Dies stellt eine echte Marktlücke dar.

Energetische Gesamtperformance von Gebäuden
Grundsätzlich ist die Passivhaustauglichkeit von Fenstern und Türen nicht alleine anhand von Produktkennwerten festzustellen. Maßgeblich ist immer die energetische Gesamtperformance des Gebäudes ausgedrückt im Jahresheizwärmebedarf und der Heizlast. Zur Berechnung eignen sich nur Verfahren mit ausreichender Genauigkeit. Vereinfachte Berechnungsverfahren wie sie z.B. für die NÖ Wohnbauförderung verwendet wird, liefern keine für die Planung brauchbaren Ergebnisse.

Die besten Aluminiumprofilsysteme
Die derzeit besten Aluminiumprofilsysteme, die die Marke ALU-FENSTER® tragen, weisen Wärmedurchgangskoeffizienten der Rahmen Uf zwischen 1,05 und 1,55 W/m²K auf. Diese Werte liegen noch deutlich über den Richtlinien des Passivhausinstituts Darmstadt. Deshalb werden diese Produkte heute kaum bei Passivhäusern eingesetzt.

Auswirkung von ALU-FENSTERN
Um Chancen und Möglichkeiten des Einsatzes von Aluminiumprofilsystemen im Passivhaus konkret zu dokumentieren, wurde eine Studie begleitend zur Planung durchgeführt. Bei diesem Objekt führt der Einsatz von Aluminiumprofilsystemen, die in Österreich die Marke ALU-FENSTER® tragen, zu einer Vergrößerung der EKZ nach PHPP um 23%, also von 13 auf 16 kWh/m²a gegenüber dem identischen Vergleichsobjekt mit Fenstern und Türen lt. Richtlinie des Passivhausinstitut Darmstadt. Die spez. Heizlast steigt von 12,90 auf 14,10 W/m²a nach PHPP. Damit liegt dieses Gebäude zwar nicht unter den offiziellen Grenzwerten für Passivhäuser von 15kWh/m²a und 10W/m²a, aber im internationalen Durchschnitt aller dokumentierten Passivhäuser.

Passivhaus ALU MINI UM
Das kompakte Gebäude steht auf einer Dichtbetonfundamentplatte und 42cm Schaumglasschotter (U = 0,139W/m²K). Das Erdgeschoss weist zu 50% erdberührte Wände aus 20cm Stahlbeton mit Abdichtung und Wärmedämmung aus 25cm Partikelschaumplatten auf. (U = 0,135W/m²K) Auf die sichtbaren Betonwände des EG wird eine 36cm starke Holzunterkonstruktion montiert und mit Zellulosedämmung ausgeblasen (U = 0,134W/m²K). Die Außenwände des Obergeschosses bestehen aus 10cm starken Holzmassivwänden System Londyb und 36cm Dämmung (U = 0,122W/m²K). Die Zwischendecke wurde als Sichtbetondecke geplant. Das Flachdach besteht aus vorgefertigten Holz-Leichtbauelementen mit einer Stärke von 40cm (U = 0,117W/m²K). Der Kubus wird mit einem fliegenden Pultdach gedeckt, das auf der Nordseite den kompletten Vorplatz überdeckt und auf der Südseite ein weit auskragendes Vordach über der Terrasse bildet. Die Fensterflächen wurden gewinnmaximierend angeordnet. Die Fensteranteile betragen nach Norden 0%, nach Osten 10%, nach Westen 24%, nach Süden 38%.

Haus ALU MINI UM ist klima:aktiv-Haus
Mit der Erfüllung aller Musskriterien und der Erreichung von 830 Punkten von 1000 möglichen Punkten wird das Haus ein klima:aktiv-Zertifikat erhalten. Für die Aluminiumprofilsystemhersteller relevantes Kriterium ist der OI3-Index, ein Indikator für die ökologische Performance des Gebäudes. Hier wurden Bestrebungen eingeleitet, die Datenbasis von Aluminium im Bauwesen auf Lebenszyklusbasis umzustellen.

Haus ALU MINI UM ist Passivhaus lt. WBF Niederösterreich
Gemäß den Richtlinien der Wohnbauförderung NÖ liegt das Haus Greger mit einer EKZ von 15 kWh/m²a für den Referenzstandort Tattendorf im Bereich der maximalen Förderhöhe und kann als Passivhaus nach WBF NÖ bezeichnet werden.

Aluminiumprofilsysteme im Passivhaus sind möglich
Die Verwendung von Aluminiumprofilsystemen, die die Marke ALU-FENSTER® tragen, in Passivhäusern stellt energetisch kein Hindernis dar, wenn die schlechteren Wärmedurchgangskoeffizienten der Aluminiumrahmen durch thermische Verbesserung der opaken Bauteile kompensiert werden. Allerdings stellt sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit dieser Vorgangsweise, da es thermisch bessere, preiswertere Produkte gibt.

Kondensatfrei und behaglich ist nicht selbstverständlich
Bei einem Passivhaus mit Aluminiumfenstern ist auf die thermischen Randbedingungen größerer Wert zu legen. Wenn möglich sollte der Fensterstock überdämmt sowie dem Glasrandverbund größere Beachtung geschenkt werden. Auf thermisch optimierten Einsatz von Blindstöcken ist zu achten. Bei Verwendung einer kontrollierten Lüftung sind aufgrund der geringeren rel. Luftfeuchte keine Kondensatprobleme zu erwarten. Hingegen ist auf die Behaglichkeit im Zusammenhang mit den geringeren Rahmen-Oberflächentemperaturen und die Luftdichtheit der Profile zu achten.

Aluminiumprofilsysteme sind wirtschaftlich bei ganzheitlicher Betrachtung
Betrachtet man die Anschaffungskosten von einfachen Fenstern und Türen können ALU-Fenster nur schwer mit anderen Produkten konkurrieren. Werden die technischen Anforderungen komplexer und bezieht man die Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten über die Lebensdauer mit ein, verbessert sich die Wirtschaftlichkeit von Aluminiumprofilsystemen deutlich.

Entwicklung passivhaustauglicher und konkurrenzfähiger Aluminiumprofilsysteme
In den letzten Jahren wurden die thermischen Eigenschaften von Aluminiumprofilsystemen die die Marke ALU-FENSTER® führen, deutlich verbessert. Die Erreichung von Uf-Werten unter 1,0W/m²K ist technisch möglich, wie das zertifizierte Beispiel zeigt. Die weiter steigende Nachfrage nach hochwärmegedämmten Aluminiumprofilsystemen sollte zu verstärkten Bemühungen und Neuentwicklungen führen. Stichworte: Blindstock, Verbundtechnologie, Glasrand. Gleichzeitig sollten die Produktionsverfahren optimiert und die Systemkomplexität hinsichtlich möglicher Kostenreduktionen überprüft werden.

Aluminium im Bauwesen ist ökologisch
Die berechtigte Diskussion um Wegwerfprodukte (Stichwort Aludose) hat zu einem generell schlechten ökologischen Image des Werkstoffes Aluminium geführt. Die vorliegenden Informationen deuten jedoch auf eine mögliche ökologische Neubewertung von Aluminium im Bauwesen. Insbesonders der Umstand der hohen Recyclingrate und Lebensdauer macht Aluminium trotz des hohen Energieaufwandes für Primäraluminium zu einem auch ökologisch sinnvollen Material für Langzeitprodukte.

Aufgrund der zu erwartenden Marktentwicklung Richtung vermehrtem Bau in Passivhausqualität steigt auch die Nachfrage nach thermisch optimierten ALU-Fenstern. Solche Produkte sind technisch möglich, jedoch wirtschaftlich schwierig. Werden keine geeigneten, wettbewerbsfähigen Produkte angeboten, wird dieser Markt den Holz-Alu- bzw. Kunststofffenstern überlassen.

 

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