214 Strohballen Passivhaus Breitenwaida – Tradition trifft Zukunft

214 Strohballen Passivhaus Breitenwaida – Tradition trifft Zukunft


Erstmals wird ein Passivhaus im Weinviertel in traditioneller Hakenhofform mit Steildach errichtet! Selbstverständlich entspricht es den strengen Kriterien der IG PASSIVHAUS und ist dabei rundum mit Stroh gedämmt ist. Dank intelligenter Planung gelang es ATOS ARCHITEKTEN unter Architekt Heinrich Schuller ein Einfamilienhaus in regionaltypischer Bauform mit einer Energiekennzahl nach OIB von 10,4 kWh/m² zu realisieren.passivhaus

Das kellerlose Wohnhaus verbindet sich mit den beiden Nebengebäuden zu einem geschützten Innenhof. Der traditionelle Laubengang wird – lichtdurchlässig – neu interpretiert.

Die Besonderheiten auf einem Blick:

  • Passivhäuser müssen keine Würfel sein! Ergebnis: Energiekennzahl 10 kWh/m²a nach OIB.
  • Alte regionaltypische Bauformen weisen hohe architektonische Qualitäten auf!
  • Moderner Holzbau ist die schnellste und genaueste Bauweise durch Vorfertigung!
  • Die nachwachsende Strohballendämmung ist heimischen Ursprungs!
  • Die luftdichte, wärmebrückenfreie Gebäudehülle ist für wunderbares Raumklima verantwortlich!
  • Die kontrollierte Lüftung sorgt für höchsten Komfort bei bester Luft!
  • Weitgehende Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern mittels geplanter Fotovoltaikanlage!
  • 220m² Solewärmetauscher und NUR 5 kW Wärmepumpe sorgen für Heizung und Warmwasser!
  • Daher betragen die Heizkosten lediglich ca. 2 Euro pro Quadratmeter und Jahr!

 

Architektonisches Konzept – Die Weinviertler Wurzeln der BauherrIn, die aus der Kindheit bis heute bestehende Verbundenheit zur Region führte zur großen Liebe zu Lebensart und tradierten Bauformen. Entstanden ist daraus der Wunsch nach größtmöglicher Natürlichkeit und Einfachheit. Schweren Herzens wurde der Gedanke, die vom Altobjekt vorhandenen Sandsteinsäulen wieder zu verwenden, aus technischen Gründen verworfen. Daher wurden neue Säulen in klassischer dorischer Form für den Laubengang geplant. So kam es auch zur Entscheidung für Stroh als Dämmstoff, für die Schaffung eines geschützten Innenhofs, die Bauweise mit 35 und 48 Grad steilen Satteldächern, den Verzicht auf einen Keller und die Wahl der Fensterfarbe moosgrün.

Grundsätzliche Gestaltungsmerkmale des Weinviertels wie schmaler Baukörper, niedrige Traufe und geringer Dachüberstand wurden ebenso selbstverständlich aufgenommen. Das Wohnhaus ist das Zentrum des Grundstücks, für größtmögliche Privatsphäre. Mit dem straßenseitigen Seminarhaus und dem nordseitigen Nebengebäude entsteht der große, geschützte Innenhof. Der Zugang zu Seminarhaus und Wohnhaus erfolgt über den gedeckten Vorplatz, unter dem 2 PKW abgestellt werden können. Der von Steinsäulen gesäumte Laubengang führt – vorbei an einem kleinen Patio – zum eigentlichen Hauseingang.

Das Wohnhaus ist mit einem spez. Heizwärmebedarf von 15kWh/m² und trotz des ungünstigen A/V-Verhältnisses ein Passivhaus gemäß den Kriterien der IG PASSIVHAUS. Die überraschenden Eindrücke im Inneren entstehen durch die Schrägstellung der gesamten Raumaufteilung und den Galerien im Eingangsbereich und Wohnraum.

Konstruktives Konzept – Auf einer Dichtbetonfundamentplatte wurden die vorgefertigten Holzrahmenwände mit den bereits eingebauten Strohballen aufgesetzt. Die Fußbodenkonstruktion besteht aus selbigem Aufbau mit 37cm Strohballen und Dämmständern. Das Steildach ist ebenfalls vorgefertigt, hat allerdings eine Dämmstoffdicke von 50cm. Die Holzbalken-Zwischendecke wurde mit 6cm trockenem Kies und losem Stroh gefüllt.

Die Außenwände wurden innenseitig mit Wandheizung und Putz versehen. Alle anderen Innen-flächen sind im Trockenbau verkleidet. Die Feuermauer besteht aus Holz mit einer vorgesetzten, selbsttragenden Stahlbetonfertigteilwand. Strangfalzziegeln bedecken das Dach bzw. Kautschukfolie die Flachdächer. Der Laubengang wird mit lichtdurchlässigen Polycarponat-Wellplatten gedeckt.

Energiekonzept – Eine 5kW-Wärmepumpe im Technikraum des Wohnhauses bezieht ihre Energie aus 300lfm Solewärmetauscherleitung, die auf einer Fläche von 220m² in einer Tiefe von 150cm verlegt ist. Die Wärmeabgabe erfolgt über 120m² Wandheizflächen an den Außenwänden. Jeder Raum kann individuell geregelt werden. Eine Lüftungsanlage sorgt im gesamten Haus für frische und saubere Luft. Um Trinkwasser zu sparen sammelt eine 6000 Liter-Zisterne die Dachwässer, welche für WC-Spülungen und Gartenwasser genutzt werden.

Stroh als Wärmedämmung

Der Strohballen: „So bin ich als Dämmstoff richtig“:

…, wenn ich folgende Maße aufweise: Länge ca. 70 cm (+/- 3 cm), Höhe ca. 50 cm, Stärke ca. 37 cm
…, wenn die Außenform bzw. Schnittkanten sauber sind, also ich quaderförmig bin,
…, wenn ich trocken bin (max. 10 – 12 % Feuchtegehalt),
…, wenn ich so weit als möglich kornfrei bin,
…, wenn ich ca. ein Gewicht von 11 – 12 Kg habe, (1 Ballen = 0,130m³, 1m³ = 7,7 Ballen, mind. 90 – 100 Kg pro m³ Dämmung),
…., wenn ich so gepresst werde, dass die meisten Halme in mir stehend angeordnet sind,
…., wenn ich aus Weizen-, Dinkel- oder Roggenstroh bin,
…., wenn ich keinen Grasanteil beinhalte
…., wenn ich evt. 1 Jahr lang gelagert wurde.

Eine der weitest verbreiteten Ängste im Zusammenhang mit Strohwänden betrifft die Beständigkeit gegen Nagetiere und Insekten. Untersuchungen an alten und neuen Strohballenhäusern haben jedoch keine Hinweise auf Schäden durch Nagetiere oder Insekten gezeigt. Kompakt gepresste Strohballen bieten Nagern keine Angriffsfläche oder gar fertige Nisthöhlen; die Zwischenräume sind sogar kleiner als bei konventionell gedämmten Bauten. Eine geschlossene Putzschicht bannt endgültig jede Gefahr der Besiedlung.

Nager und Insekten haben Stroh auch nicht zum Fressen gern: Nur Termiten können es verdauen. Stroh ist reiner Ballaststoff, der auch von Pferden und Kühen unverdaut wieder ausgeschieden wird. Interessant wären allenfalls die Körner, mit heutigen Erntetechniken wird aber die Spreu nahezu 100%ig vom Weizen getrennt. Im Gegensatz zu Heu oder Getreideähren ist Stroh also keinesfalls ein “Gourmettreff” für Kleinnagetiere und Insekten aller Art.

Mit einem neuen österreichischen Verfahren können Baustrohballen mit guten Wärmedämmleitwerten (ca. 0,045 W/mK) hergestellt werden: Ab Sommer 2009 können unter standardisierten Verhältnissen hergestellte und mit der Europäischen Technischen Zulassung versehene CE-zertifizierte Baustrohballen der neuesten Generation geliefert werden. Die Ballen sind dicht gepresst und weisen gut ausgebildete, formstabile Kanten und plane Oberflächen auf. Durch die Produktion in der Halle werden genormte Dichte und Feuchtegehalt sowie einheitliche Längen garantiert.

Natürlich ist Stroh als Dämmstoff ökologisch unschlagbar. Ökonomisch hängt die Bewertung sehr von den Rahmenbedingungen ab. Ist das Stroh vor Ort, also in unmittelbarer Nähe des Einbauortes (Zimmereibetrieb oder Baustelle) vorhanden, und wird der Einbau noch dazu in Eigenleistung gemacht, kann man deutliche Einsparungen gegenüber anderen Dämmstoffen erzielen. Muss das Stroh per LKW transportiert und vom Zimmermann eingebaut werden, egalisiert sich der ökonomische Vorteil gegen Null.

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