196 Eine echt schräge Kiste

196 Eine echt schräge Kiste

Das gegenständliche Grundstück liegt im Widmungsgebiet Bauland Wohngebiet. Laut Bebauungsplan der Stadtgemeinde Schwechat ist eine Bebauung in offener oder gekuppelter Bebauungsweise, Bauklasse I oder II vorgesehen. Außerdem dürfen nur max. 35 % der Grundstücksfläche verbaut werden. Das vorhandene ebenerdige Gebäude sollte während der Bauzeit bewohnbar bleiben. Aufgrund der seitlichen Gebäudeabstände von ca. 2m und 2,5m musste das Dachgeschoß eingerückt werden, um den Mindestseitenabstand der halben Gebäudehöhe einzuhalten. Straßenseitig liegt das Gebäude an der vorderen Baufluchtlinie.


ARCHITEKTURKONZEPT – Die Notwendigkeit des seitlichen Einrückens beim Erstellen des Obergeschoßes erzwang die Umsetzung einer ungewöhnlichen Form. Der durch die Vorgaben neu aufgebaute Mittelbaukörper wurde leicht gekippt aufgesetzt. Das Kippen hat keinen funktionellen Hintergrund. Die Schrägstellung verschafft dem Gebäude einen Spannungseffekt, der neugierig werden lässt. Außerdem erzeugt er dynamische Innenräume mit Raumhöhen zwischen 250 und 320cm. Die Schräge der beiden Außenwände beträgt lediglich 30cm. Die Asymmetrie der Anordnung der Öffnungen sowie die beiden schräg gestellten, farbig akzentuierten Elemente Balkon und Sauna steigern den Gestaltungseffekt.

Wesentliches Kriterium der Gestaltungsidee war, dass durch die – beide Geschoße zusammenfassende – Holzfassade ein völlig neuer Gebäudeeindruck entsteht, der es nicht zulässt, die Aufstockung als solche zu erkennen. Das Gebäude wird als eine Einheit wahrgenommen. Im Inneren blieb die Raumaufteilung des Erdgeschoßes im Wesentlichen bestehen, jedoch wurde südseitig ein großzügig verglaster wintergartenartiger Essraum geschaffen, der gleichzeitig auch als Eingangsbereich fungiert. Durch die Stiegengalerie dringt Sonne bis tief in das Erdgeschoß ein, und wertet dieses deutlich auf.

Das Dachgeschoß besteht aus zwei Schlafräumen, wovon der westlich gelegene einen kleinen Aussichtsbalkon auf der Straßenseite erhielt. Durch die gewählte Anordnung konnte der bestehende Kamin belassen werden. WC und Bad liegen oberhalb des bestehenden Bades im Erdgeschoß und konnten so technisch leicht an die bestehende Kanalisation angeschlossen werden.

Die Sauna wirkt wie ein farbiger Würfel, der aus der Fassade springt und betont den Eingangsbereich darunter.

BAUTECHNISCHES KONZEPT – Bei den Umbauarbeiten wurde Niedrigstenergieniveau angestrebt, was bestmögliche Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit erforderte.

Bei der bestehenden Fassade des Erdgeschoßes wurde die vorgesetzte Eternitfassade abgebrochen und das verputzte Mauerwerk wird mit einem Vollwärmeschutz versehen. Sämtliche Fenster im Erdgeschoß wurden erneuert (Holz-Alurahmen mit Dreifachver-glasung), ein zusätzliches Fenster sollte straßenseitig die Belichtung im Essbereich verbessern.
Die tragenden Mauern wurden bis OK Holzbalkendecke abgetragen, Estrich und Beschüttung auf der Decke wurden entfernt. Auf der vorhandenen Holzschalung wurde eine provisorische Dachabdichtung hergestellt, danach ein Höhenausgleich aus Beton oder Holz auf den tragenden Wänden hergestellt. Auf diesen wurde eine 16cm starke Massivholzdecke verlegt und im bestehenden Mauerwerk verankert. Im Bereich des Wintergartens blieb die Unterseite dieser Decke sichtbar. Auf dieser Decke wurden die vorgefertigten Wand und Dachelemente aufgesetzt und bilden eine dichte Gebäudehülle. Die Außenhülle wurde mit einer Lärchenholzverkleidung versehen, die einer farblosen Oberflächenbehandlung unterzogen wurde, welche über Jahre hinweg das Vergrauen verhindert.

Der Innenausbau des Dachgeschoßes erfolgte in Leichtbauweise mit hochfesten Gipsfaserplatten. Fenster und Türen wurden mit Holz-Alurahmen sowie Dreifachverglasung ausgeführt. Dreifachverglasungen weisen Oberflächentemperaturen von etwa 17° auf, was sich positiv auf Heizkosten und Behaglichkeit auswirkt.

HAUSTECHNIKKONZEPT – Das Haus wird nach dem Umbau mit einer Wärmepumpe (Luft-Luft) beheizt, die Wärmeabgabe erfolgt über eine Fußbodenheizung.
Ergänzend wurde eine kontrollierte Wohnraumlüftung für die neu errichteten Obergeschoßräume installiert.
Die Verteilung der Zuluft erfolgt nur im neu errichteten Obergeschoß, an das System der Abluft wurde auch Bad, WC und Speis des Bestandes angeschlossen.
Das Lüftungsgerät ist im Schrankraum OG situiert, die notwendige Frischluft wird über ein gedämmtes Rohr an der Ostfassade angesaugt.
Die Verrohrung erfolgt mit Wickelfalzrohren DM 160mm und 110mm und hocheffizieten Schallabsorbern mit Partikelfiltern.

 

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