306 Haus S wie Smart

306 Haus S wie Smart

Generalsanierung und Erweiterung des Privathauses S
1230 Wien

Als SMART wird ein Gebäude bezeichnet, wenn es intelligent ist. Wenn Heizung, Sonnenschutz und Batteriespeicher miteinander kommunizieren, ist das noch keine Intelligenz, sondern schlicht   programmierte Vernetzung. Smart ist es, wenn des Gebäude als Ganzes optimal mit den Menschen zusammen arbeitet. Wenn die Menschen sich nicht ausgeliefert fühlen, das Gebäude auf Wünsche reagieren kann.

Wohnen ist immer noch wohnen: Schlafen, Essen, Waschen, Spielen, Arbeiten, Erholen, Streiten, Lieben, … Dieses Gebäude aus dem letzten Jahrhundert hatte einige Metamorphosen erlebt, und war zuletzt optisch ein hässliches Kind der 1970er. Aber wohnen konnte man drin ganz gut. Trotzdem fühlten sich die Bewohner nicht mehr wohl.

50 Jahre in die Zukunft

Der Umbau hat das Haus 50 Jahre in die Zukunft katapultiert. Jetzt steht da ein modernes Gebäude, das ökologisch und ökonomisch auf dem neuesten Stand ist. Angenehmes Raumklima, optimale Behaglichkeit, funktionelle Räume, Komfort und Gesundheit lassen keine Wünsche offen.

Darüber hinaus zeichnet das Haus zwei Features aus, die neu sind:

  • Der Hausherr, Forscher auf dem Gebiet der Sensortechnik, testet verschiedene Möglichkeiten, den Eigennutzungsgrad des selbst erzeugten Stroms zu optimieren. Das geschieht durch Messung aller Verbräuche und Testen verschiedener Tools.
  • Neuartige gedruckte Fühler messen laufend die Feuchte im Flachdach, eine neue Methode des Feuchtemonitorings von nicht zugänglichen Dachkonstruktionen.

 

Form follows function

Aber jetzt zum Haus selbst. Auf das Flachdach des nordseitigen Wohnraums wurde das Obergeschoss in Holzbauweise erweitert und darüber noch ein Galeriegeschoss geschaffen, das sich nach Süden auf eine große Dachterrasse öffnet. Diese sonnige Galerie mit fantastischer Aussicht dient also als Kontrapunkt zum dunklen, ebenerdigen Wohnraum.

Während das Erdgeschoss bis auf den Nassbereich unverändert blieb, wurde das Obergeschoss komplett neu organisiert. Das zentrale Stiegenhaus erhält jetzt nachmittags erstmals Sonne und hat sogar einen Zugang auf die Dachterrasse auf dem Windfang. Eine attraktive Sauna wurde eingebaut und alle Duschen bodeneben und fugenlos ausgebildet. Dafür kommt ein PU-Belag zum Einsatz, der flüssig eingebracht wird, fußwarm, weich und baubiologisch unbedenklich ist.

Die neue Fassade besteht aus geschraubten Eternit-Großtafeln, eine bauphysikalisch optimale, langlebige, ökologische und reparierfähige Fassade, wie sie besser nicht sein könnte. Nach Westen hin wurde ein  Lärchenspalier aus Fassade und Terrassenbrüstung ausgeführt, das mit der Zeit zu einer grünen Wand werden soll.

 

70% weniger Energieverbrauch

Die Energiekennzahl wurde von 100 auf 30kWh/m²a, also um 70% reduziert. Die Luftdichtheit mit 0,6 messtechnisch kontrolliert und nachgewiesen, wodurch ein optimaler Schutz der Bausubstanz vor Feuchteschäden erreicht wurde. Warme Oberflächen schaffen nun ein Wohlfühlklima, das die Bewohner bisher nicht kannten. Die Beheizung erfolgt über eine hocheffiziente Luft/Wasser-Wärmepumpe und über Fußbodenheizung. Die Abfuhr verbrauchter Luft und Feuchte sowie laufende Zufuhr frischer, sauberer Luft erfolgt CO²-gesteuert über die integrierte Komfortlüftung.

Auf allen verfügbaren Flächen wurden Fotovoltaikmodule installiert. Insgesamt 34 KIOTO-Module mit einer Leistung von insgesamt 10,2kWp. Besonders anspruchsvoll war die unsichtbare Befestigung und Integration der Module in der Eternitfassade. Durch die unterschiedlichen Ausrichtungen entsteht eine ausgeglichenere Tagesbilanz. Eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit einer Kapazität von 6kWh ermöglicht die Optimierung des Eigenverbrauchsanteils.

 

Wodurch wird ein Haus SMART?

Wie wird aus einem Wohnhaus nun ein SMART-Haus? Die Intelligenz besteht im optimalen Zusammenspiel der baulichen und technischen Komponenten. Natürlich muss ein Raffstore auf Sonne automatisch reagieren. Natürlich müssen Fenster im Hochsommer geschlossen bleiben, was durch die Komfortlüftung möglich ist. So war es bereits im Rekordsommer 2018 möglich, selbst ohne technische Bauteilkühlung, die Temperatur im Haus auf angenehmen 24 Grad zu halten. Die ersten Erfahrungen zeigen also, dass Kompaktheit, wärmebrückenfreie und luftdichte Gebäudehülle in Verbindung mit einer intelligenten Nutzung ein perfektes Raumklima bei geringsten Energieverbräuchen bringen.

Als Forschungsprojekt angelegt, werden nun sämtliche Verbräuche und die Solarenergieperformance gemessen und analysiert. Durch Veränderungen der Parameter werden verschiedene Szenarien auf ihr Energiesparpotential untersucht. Die Ergebnisse können in zukünftige Projekte einfließen.

 

Feuchtemonitoring schützt die Substanz

Eine Neuheit für ATOS war der erstmalige Einbau von patentierten Feuchtefühlern im Flachdach, das als nicht hinterlüftetes Warmdach immer einem gewissen Risiko ausgesetzt ist. Sollten Undichten in der Dachabdichtung auftreten, wird dies erst sehr spät erkannt, weil die raumseitige Dampfsperre ein Durchdringen der Feuchte in die Räume verhindert. So könnte es unbemerkt zu einer Feuchteanreicherung in der Dämmebene kommen, welche nun durch die Feuchtefühler und die laufende Übermittlung der Messdaten sofort erkannt wird.

Natürlich stellt ein hinterlüftetes Flachdach eine technisch und bauphysikalisch wesentlich bessere Variante dar, die von ATOS wo immer möglich bevorzugt wird. Gänzlich verzichten wir auf die Bildung von Wannen, wie sie bei Flachdächern mit Attika eine gebaute Gefahr darstellen. Dachwasser muss immer frei nach außen abfließen können, ohne dass die Gefahr von Staunässe entsteht. In Kombination mit einer UV-beständigen und langlebigen EPDM-Kautschukabdichtung mit möglichst wenig Durchdringungen, stellt ein Flachdach eine perfektes Dach dar.

Die Zukunft des Bauens bringt viele neue Möglichkeiten und Techniken. Entscheidend ist aber nicht die Neuheit, sondern die optimale Integration und das perfekte Zusammenspiel aller Komponenten und zunehmend auch die Zerlegbarkeit und Wiederverwendbarkeit der Bauteile. Dafür braucht es das umfassende Wissen über die Zusammenhänge.

 

Beteiligte

  • Planung, Örtliche Bauaufsicht, Bauphysik, Statik: ATOS Architekten
  • Baumeisterarbeiten: Fa. Hammerl Bau
  • Zimmermannsarbeiten: Fa. Haselsteiner Holzbau
  • Bautischlerarbeiten: Fa. Josko Fenster und Türen (Mitglied IG Innovative Gebäude)
  • Spengler- und Schwarzdeckerarbeiten: Fa. Leichtfried
  • Elektroinstallation: Fa. Cikanek
  • Heizung, Lüftung, Sanitärinstallation: Fa. Kerschbaum (Mitglied IG Innovative Gebäude)
  • Malerarbeiten: Fa. K & E
  • Fliesenleger: Fa. URI
  • Saunabau, Stiegen: Fa. Sieberer
  • Holzboden, Terrassen: Fa. Estefan
  • Fotovoltaik: Fa. Solavolta (Mitglied IG Innovative Gebäude)
  • Glaserarbeiten: Fa. Glas Pelikan
  • Metallarbeiten: Fa. Kusolitsch
  • Tischlerarbeiten: Fa. Wallisch
  • Feuchtefühler: Fa. EPI, 1210 Wien
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