241 Co-Housing Maria Anzbach

241 Co-Housing Maria Anzbach

Co-Housing Maria Anzbach Das Grundstück mit einer Gesamtfläche von 4569m² liegt am Ende der Lughofgasse und steigt nach Süden stark an. 2917m² befinden sich im Widmungsgebiet Bauland Wohngebiet. An der nordöstlichen Ecke verläuft die Grenze einer gelben Zone mit Überschwemmungsgefahr. Alle geplanten Gebäude sind außerhalb der HQ100 Zone und es kommt durch die Geländeänderungen auf dem Grundstück zu keiner Einengung des Abflussquerschnittes.

ARCHITEKTUR
Der Gebäudekomplex besteht aus zwei Bauteilen mit je 3 und 4 Wohneinheiten, welche durch ein Gemeinschaftshaus miteinander verbunden sind. Aufgrund des Geländes ist das unterste Geschoss als Kellergeschoss ausgeführt, welches südseitig komplett eingegraben ist. Darüber befinden sich zwei Hauptgeschosse.

Die Erschließung der Häuser erfolgt über einen offenen Laubengang auf der Nordseite, welcher über eine zentrale Treppe in der Mitte, eine zweite Treppe auf der Westseite sowie eine Rampe auf der Ostseite zugänglich ist. Die Kellergeschosse haben keine interne Verbindung mit den Hauptgeschos-sen, sondern Zugänge direkt von der Nordseite.

Auf dem Grundstück befinden sich 7 Autoabstellplätze unter einem gemeinsamen Carportdach in Verbindung mit einem Geräteschuppen. Weitere 7 Stellplätze befinden sich entlang der Nordseite des Grundstücks. Alle Nebengebäude sind mit einem begrünten Pultdach gedeckt.

Das Gelände wird entsprechend so modelliert, dass die 7 Häuser auf gleichem Niveau stehen können. Auf der Südseite wird das angrenzende Gelände etwas aufgeschüttet, während auf der Nordseite das Gelände abgegraben wird. Die Fassaden der Häuser bestehen aus hinterlüfteten Plattenverkleidungen aus Holz und Ziegel. Die nach außen bzw. nach innen geneigten Oberflächen betonen die Kom-paktheit der Gebäudehülle und geben dem Ensemble einen sehr individuellen Charakter. Die natürli-chen Oberflächen und Farben der Baukörper harmonieren sehr gut mit der umgebenden Natur. Das Gemeinschaftshaus fungiert als Gelenk und ist daher optisch durch eine Putzfassade hervorgehoben. Die Obergeschosse verfügen südseitig über eine durchgehende Dachterrasse.

ENERGIE
Die einzelnen Häuser werden in Passivhausqualität nach OIB errichtet und erfüllen somit die Anforde-rungen der NÖ Wohnbauförderung für Eigenheimförderung Passivhaus. Daher erfüllen die Häuser auch die Anforderung Luftdichtheit n50 > 0,60 und Energiekennzahl > 10kWh/m²a. Die Beheizung erfolgt mit einer zentralen Pelletsheizung, welche sich im Gemeinschaftshaus befindet. Unterstützt wird die Heizung durch eine dachintegrierte thermische Solaranlage sowie eine Fotovoltaikanlage.

Für ein perfektes Raumklima sorgen die dezentralen Lüftungsgeräte mit Wärmetauscher, welche jeden Aufenthaltsraum mit Frischluft versorgen und die Nebenräume entlüften. Diese Lüftungsgeräte befinden sich in den einzelnen Kellergeschossen.

Anfallendes Dachwasser wird in einer zentralen Zisterne unter den Stellplätzen gesammelt und als Brauchwasser für Garten und WC-Spülung eingesetzt. Der Überlauf fließt in einen Sickerschacht auf dem Grundstück. Die Kanalleitungen in den einzelnen Wohneinheiten werden an der jeweils höchsten Stelle mit einer Strangbelüftung versehen, die bei Unterdruck ein Ventil öffnet. Zusätzlich wird in Haus 5 eine zentrale Strangentlüftung über Dach geführt.

KONSTRUKTION
Die 7 Häuser sind bautechnisch komplett mittels durchgehenden Gebäudefugen getrennt. Die Keller-geschosse in Ortbeton stehen auf Dichtbetonfundamentplatten mit einer Betondecke. Darauf stehen die tragenden Außenwände in REI90-Qualität mit einer Wärmedämmung aus gepresstem Strohhäcksel.

Die Reihenhaustrennwände sind gemäß NÖ BTV brandbeständig ausgeführt. Die aus thermischen Gründen notwendigen Brandriegel im Bereich der Außenwände und der Dachflächen werden gemäß beiliegender Details ausgeführt.

Die Zwischendecke besteht aus einer Holzmassivdecke in REI30-Qualität, Das Steildach mit einer Neigung von 10° besteht aus einer Sparrenkonstruktion in REI60-Qualität, die ebenfalls mit gepress-tem Strohhäcksel gedämmt wird. Die Dachdeckung erfolgt südseitig als extensiv begrüntes Dach und nordseitig als Kiesdach.

Ein zweigeschossiges Gemeinschaftshaus in Massivbauweise bildet in der Mitte einen eigenen Brandabschnitt, der laut Gutachten der IBS Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung Linz die Brandübertragung zwischen den beiden hölzernen Brandabschnitten verhindert. Es kommt in diesem Bereich Wärmedämmung der Brennbarkeitsklasse A1 zum Einsatz.

Der offene Laubengang erfüllt aufgrund der vorhandenen direkten Fluchtmöglichkeiten auf der Südseite die Brandschutzanforderung REI30. Der Bodenbelag besteht aus einem hölzernen Lattenrost auf Balkenlage, die Brüstung ist geschlossen und mit einem Handlauf in 1m Höhe versehen. Im Bereich des Gemeinschaftshauses wird der Bodenbelag sowie die Unterkonstruktion unbrennbar ausgeführt.

Wände
Die Wände sind im System Lopas hergestellt. Sie bestehen im Wesentlichen aus einer thermisch ge-trennten Fuß- und Kopfschwelle. Die Säulen bzw. die Steher werden mit Steico-Wall Trägern, welche in einem Raster von ca. 50 cm angeordnet sind, eingebaut. Teilweise werden in diese Wände ent-sprechend der statischen Notwendigkeit Leimträgersäulen und Leimträgerunterzüge eingebaut. Die statische Aussteifung wird innen und außen mit einer 22mm starken OSB III Platte hergestellt. Raum-seitig ist die Platte geschlossen und dient zugleich als Dampfbremse. Außenseitig ist die Platte ge-locht und wird mit einem Flachsvlies und Lehmschlemme beplankt. Darauf erfolgt die Montage der Hinterlüftungsstaffel, Konstruktionslattung und Fassadenplatten aus Holz und Ziegel. Raumseitig wird auf die Wände 4,5cm Lehmputz, in dem auch die Elektroinstallation integriert ist, in zwei Lagen aufge-bracht. Größere Installationen werden in einer vorgesetzten Installationsebene bzw. Installations-schacht eingebaut. Die Wandoberflächen können unbehandelt bleiben oder mit Wandfarbe (Kasein od. Lehmfarbe) gestrichen werden. In den Spritzwasserbereichen wird normgemäß abgedichtet.

Zwischendecke
Die Zwischendecken werden in der Londybbauweise (verdübelte Elemente) aus Vollholz hergestellt. Die Unterseiten der Decken bleiben sichtbar. Die Decken sind für den geforderten Brandschutz über-dimensioniert. Als Fußbodenaufbau wird eine Rieselschichtfolie verlegt. Als Schallschutz wird ein Styroporunterbeton (Thermotec) aufgebracht. Der geforderte Schallschutz (Trittschall und Luftschall) wird durch diesen Styroporunterbeton erreicht. Darauf wird der Estrich mit teilweise integrierter Fuß-bodenheizung verlegt. Auf diesem Estrich werden Fußbodenbeläge aufgebracht. Im Nassbereich werden die Fußböden entsprechend Ö-Norm abgedichtet.
Jener Bereich der Geschoßdecke welche eine Terrasse bildet wird mit einer Dampfsperre Bauder KSA abgedichtet. Darauf wird eine Gefälledämmung und Abdichtungsbahn (EPDM Kautschukplane) verlegt. Als Terrassenbelag wird ein Lärchenholzrost auf Staffelunterkonstruktion verlegt.

Steildach – oberste Geschoßdecke
Den oberen Raumabschluss im OG bilden schrägliegende Lopas-Dachelemente mit 40cm Hohlraum-dämmung aus gepresstem Strohhäcksel. Die Träger bestehen im Wesentlichen aus Steico-Joist Trä-gern, welche in einem Raster von ca. 70 cm angeordnet sind. Die statische Aussteifung und Luftdicht-heit innen erfolgt wie bei den Wandelementen mit einer 22mm OSB III Platte, die zugleich als Dampf-bremse fungiert. Außen wird eine 25mm Rauschalung und eine diffusionsoffene Dachschalungsbahn (Bauder Diffutex NSK) aufgebracht. Darüber kommt die Hinterlüftungsebene, zweite Rauschalung und Schutzvlies. Die Abdichtung wird mit einer EPDM-Plane hergestellt, die mit Kiesschüttung bzw. exten-siver Dachbegrünung versehen ist. Raumseitig wird 2cm Lehmputz in zwei Lagen aufgebracht. In diesem Lehmputz ist auch die Elektroinstallation integriert. Die Zwischenwände werden als Holzrie-gelwände mit beidseitig 12,5 mm Fermacellplatten und Flachsdämmung hergestellt.

 

Effiziente Planung kooperativer Bauprojekte am Beispiel CO-Housing Maria Anzbach

Co-Housing beschreibt eine Wohnform, die einen hohen Grad an Kooperation zwischen den Bewohnern einer Wohnhausanlage oder einer Siedlung als Ziel formuliert. Natürlich bleiben die familiären Strukturen dabei unangetastet. Die Gruppe, im obigen Fall 7 Familien mit durchschnittlich 2 Kindern, sucht in einer meist individuellen Baustruktur sozialen Zusammenhalt und Gemeinschaft, die andere Wohnstrukturen oft nicht bieten. Das beginnt bei der gemeinsamen Planung, geht über Kinderbetreuung und gemeinschaftliches Handwerken und Gärtnern, Carsharing bis zur flexiblen Nutzung von Räumen.

Ein zweiter wesentlicher Aspekt ist der hohe Grad an Selbstbestimmung hinsichtlich der Gestaltung, Qualität, Ausstattung, als auch der Infrastruktur und laufenden Betreuung der Wohnanlage. Meist wird versucht, einen individuellen Ausdruck der Gemeinschaft auch in der baulichen Darstellung zu finden. Diese Form der Selbstverwirklichung sollte von Architekten begleitet werden, die über die nötige Flexibilität und Erfahrung mit qualitätsvollem Bauen unter Berücksichtigung der Baukosten haben.

Beide Ziele – soziale Gemeinschaft und Selbstbestimmung – erfordern neben viel Engage-ment, Durchhaltevermögen und Aufgeschlossenheit auch besonders den achtsamen Um-gang miteinander. Darunter versteht man die Fähigkeit, andere Meinungen zu akzeptieren, Gefühle von Urteilen trennen zu können, und Konsenslösungen zu suchen. Je mehr Zeit eine Bewohnergruppe in diesen achtsamen Umgang investiert, umso schneller und leichter können tragfähige Entscheidungen getroffen werden.

Soziale Kompetenz ist also ein guter Pfeiler eines Co-Housing-Projektes. Je mehr Erfahrung die Beteiligten mit Methoden wie z. B. der „Gewaltfeien Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg oder NLP haben, umso reibungsloser kann auch der Planungsprozess laufen. Beim Co-Housing-Projekt in Maria Anzbach war diese Voraussetzung auch durch die hohe kommunikative Kompetenz der augenblicklich 8 Gruppenmitglieder gegeben.

Auch bei einem Gemeinschaftsprojekt geht es darum, dass sich jeder Beteiligte über seine Ziele, Bedürfnisse, Wünsche und Möglichkeiten klar wird. Diese müssen nicht zu Beginn eines Planungsprozesses fest stehen, sondern entwickeln sich erst im Prozess des Planens. So war z. B. bei den Familien der Wunsch nach einer flexiblen Erweiterungsmöglichkeit auf-grund der unklaren zukünftigen Familien- und Berufssituation gegeben. Daher wurde im Rahmen der Workshops die Idee geboren, völlig eigenständige Einheiten mit 25 m² zu schaf-fen, die über eine eigene Sanitäreinheit und eigenen Eingang verfügen. Somit können diese als behindertengerechte Gästeeinheit, als Wohneinheit für eine Betreuungsperson, für ein erwachsenes Kind oder als selbst genutztes oder vermietetes Büro genutzt werden.

Um den gemeinsamen Planungsprozess so effizient und überschaubar wie möglich zu ge-stalten, hat ATOS einen workshopartigen Ablauf für die Vorentwurfsphase entwickelt. Die-ser sieht halbtägige Zusammentreffen vor, die aufeinander aufbauend einzelnen Themen gewidmet sind. Zusätzlich gibt es Besprechungen mit den einzelnen Familien, um die indivi-duellen Bedürfnisse besprechen zu können.

Diese Gruppenworkshops sollten im Abstand von etwa 14 Tagen stattfinden. Dieser kurze Abstand ermöglicht das rasche Vorankommen und vermeidet, dass das Besprochene wieder vergessen wird. Diese kompakten Workshops erzeugen auch einen gewissen Zwang zur Klarheit. Entscheidungen, die die Gruppe untereinander zu klären hat, werden ausdrücklich ausgeklammert. Die Fokussierung der Workshops auf Themen verhindert auch, dass das Ziel des Workshops aus den Augen verloren wird. Die Zeit zwischen den Workshops wird von ATOS für die Erarbeitung der Grundlagen und Pläne, und von der Gruppe zur Ausei-nandersetzung mit dem Besprochenen genutzt. Die Struktur der Workshops sieht in etwa folgendermaßen aus:

Workshop 1: Zielformulierung, Grundlagen, Grundstück, Baurecht, Finanzrahmen
Workshop 2: Möglichkeiten der Bebauungsstruktur, Stärken/Schwächen-Analyse
Workshop 3: Festlegung der Bebauungsstruktur, Grundrisse
Workshop 4: Gebäudeform, Architektur, Oberflächen
Workshop 5: Bautechnik, Oberflächen, Gemeinschaftseinrichtungen
Workshop 6: Fragen zu Baubiologie, Ökologie, Behaglichkeit, Luftfeuchte etc.
Workshop 7: Freiraumgestaltung, Nutzungskonzept, Ideenskizzen
Workshop 8: Haustechnikkonzept, Kostenschätzung

Nach dieser intensiven Konzeptphase werden die Vorentwurfspläne fertig gestellt und mit einer Baubeschreibung versehen, so dass ein potentieller Generalunternehmer in der Lage ist, ein erstes Offert über das gesamte Projekt zu legen. Die Optimierung des Projektes erfolgt auf Basis der vorhandenen Richtofferte in zwei weiteren Workshops, nach denen das Anbot überarbeitet wird und das Vorentwurfskonzept abgeschlossen ist. Im Idealfall kann anschließend die baubehördliche Einreichung durchgeführt, das Projekt einem Generalun-ternehmer übergeben oder im Ausschreibungsverfahren der Bestbieter ermittelt werden.

Der zeitliche Aufwand dieses Planungsprozesses hängt natürlich von der Komplexität und Größe des Projektes ab. Zum Aufwand der Workshops von 5 Std. kommen mind. 15 Std. Planungszeit zwischen den Workshops. Bei insgesamt 10 Workshops ist von einem Min-destaufwand von 200 Std. mit Sicherheit auszugehen. Der betreuende Architekt sollte auf-grund der Vorinformationen in der Lage sein, den zu erwartenden Aufwand grob abzuschät-zen. Im Regelfall werden ein Haustechnik- sowie Freiraumplaner beizuziehen sein.

Was sind die Vorteile dieses Konzeptes der kooperativen Planung:
– Planbarkeit des zeitlichen/finanziellen Aufwands für den Planer als auch die Grup-pe
– Klare Struktur für aufbauende Entscheidungen nach den notwendigen Prioritäten
– Konzentration auf ein Thema innerhalb eines Workshops
– Transparenz des Planungsprozesses durch ständige Kommunikation der Ergeb-nisse

Private Gemeinschaftsprojekte erfordern vom betreuenden Architekten ebenso wie von der Gruppe ein hohes Maß an Flexibilität. Im Idealfall wird aber die kreative Entwicklung von Ideen von beiden Seiten als lustvoll und bereichernd erlebt.

Architekt DI Heinrich Schuller – ATOS Architekten

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